Das Gleichstellungsbüro

Herzlich willkommen auf der Seite des Flensburger Gleichstellungsbüros!

Das Gleichstellungsbüro knüpft an eine über dreißigjährige Geschichte der Frauenförderung und Gleichstellungsarbeit in Flensburg an und widmet sich dieser Querschnittsaufgabe in unterschiedlichen gesellschaftlichen Feldern.

Das verfassungsrechtliche Gebot der Gleichberechtigung ist im schleswig-holsteinischen Gleichstellungsgesetz verankert und eine wichtige Grundlage unseres Tätigkeitsfeldes.

Mit dem Beitritt zur Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern hat sich Flensburg zu deren Grundsätzen bekannt und engagiert sich mit dem Aktionsplan „Geschlechtergerechte Stadt“. Die Steuerung dieses Aktionsplanes haben wir als Gleichstellungsbüro übernommen.

Außerdem begleiten wir den in der kommunalen Hauptsatzung festgeschriebenen Prozess des Gender Mainstreaming und wirken bei bundesweiten und landesweiten Kampagnen und Aktionen mit.

Wir möchten Sie gern einladen, sich auf dieser Seite und durch unseren Flyer über unsere Aufgaben, Ziele und Projekte näher zu informieren - und eventuell selbst in diesem Rahmen zu engagieren. Außerdem freuen wir uns über Hinweise und Anregungen, die zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit für unsere Einwohner*innen in Flensburg beitragen.

Rechtliche Grundlagen:

Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ist in Artikel 3 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland verankert:

  • (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
  • (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
  • (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Das Schleswig-Holsteinische Gleichstellungsgesetz ist unser gesetzliche Handlungsauftrag, der auch in der Schleswig-Holsteinischen Gemeindeordnung und der Flensburger Hauptsatzung zur Anwendung kommt.

Aufgaben und Ziele:

Beratung

Sie können sich gerne an uns wenden, wenn Sie...

  • Fragen zur Gleichstellung haben;
  • sich als Verwaltungsmitarbeiter*in über Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder anderen Gleichstellungsfragen beraten lassen wollen;
  • als Einwohner*in Anregungen und Vorschläge machen wollen, um die Situation in Flensburg unter Aspekten der Frauen- und Männerförderung, der Geschlechtergerechtigkeit oder der Akzeptanz vielfältiger sexueller Identitäten zu verbessern.

Unsere Beratungszeiten sind montags bis freitags von 8.30 bis 12.00 Uhr (weitere Termine gern nach Vereinbarung). Sie finden uns im Rathaus im 6. Stock (Zimmer 602 und 603). Telefonisch erreichen Sie uns unter 0461 / 85 2963 oder 85 2806, per Email unter balve.verena@flensburg.de oder beck.sandra@flensburg.de.

Ausführliche Informationen über die vielfältigen Flensburger Beratungsangebote, Treffpunkte etc. für alle Geschlechter finden Sie in unserem Wegweiser für Frauen - Männer - LSB INT, den Sie im Rathaus auch in gedruckter Version erhalten können.

Frauenförderung / Frauen in die Politik / Frauen in Führung

Trotz positiver Tendenzen sind Frauen in Führungspositionen und wichtigen kommunalen Gremien leider immer noch unterrepräsentiert. Wir setzen uns dafür ein, dies zu ändern, denn die Teilhabe von Frauen in allen Flensburger Gremien ist ein zentrales Gebot der Geschlechtergerechtigkeit. Neben dem Gleichstellungsgrundsatz liegen die Vorteile von geschlechtergemischten Gremien auf der Hand, denn sie führen zu vielfältigeren Sichtweisen, mehr Kompetenzen und demzufolge auch zu mehr Erfolg. (Dies bestätigen auch Studien wie z.B. die McKinsey-Studie, die deutlich auf den Zusammenhang zwischen Unternehmenserfolg und dem Anteil weiblicher Führungskräfte in Konzernen hinweist.)

Flensburg verpflichtet sich mit dem Flensburger Kodex zur Geschlechterparität in Flensburger Aufsichtsräten und Gesellschaften. Diese Willensbekundung und die Stärkung des § 15 GstG haben zu einer positiven Entwicklung beigetragen. So ist der weibliche Anteil in städtischen Aufsichtsräten mit 47 % fast ausgewogen.

Gendergerechte Sprache

Gesellschaften und Kulturen verändern sich, und da die Sprache ein Spiegel unseres Zusammenlebens ist und ausdrückt, wie wir leben, arbeiten und verwalten, ist ein bewusster Umgang mit unserem wichtigsten Kommunikationsmittel sehr bedeutend.

Mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 10. Oktober 2017 wurde die Änderung des Personenstandsrechtes beschlossen: Seit dem 1. Januar 2018 wird mit der 3. Geschlechtsoption offiziell anerkannt, dass es Menschen gibt, die sich nicht in die binären Kategorien „Mann“ und „Frau“ einordnen. Laut einer Studie der „ZEIT“ identifizieren sich sogar 3,3 % der Bevölkerung in Deutschland weder als weiblich noch als männlich. Dies zeigt die Tragweite des Themas und unterstreicht die Bedeutung von guten und diskriminierungsfreien Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft.

Eine moderne Verwaltung, die demokratische Grundsätze beachtet, ist durch den gesetzlichen Handlungsauftrag nun aufgefordert, der geschlechtlichen Vielfalt auch sprachlich Ausdruck zu verschaffen. Die Stadt Flensburg hat sich daher entschieden, sowohl in der internen als auch der externen Kommunikation das Gender-Sternchen zu verwenden oder auf genderneutrale Bezeichnungen zurückzugreifen. Durch diesen sensiblen Sprachgebrauch tragen wir aktiv zur Gleichberechtigung der Geschlechter bei und sorgen dafür, dass sich alle wahrgenommen und angesprochen fühlen.

Wenn Sie sich näher mit diesem Thema beschäftigen wollen, werfen Sie gern einen Blick in unseren Leitfaden!

Gleichstellungsausschuss / Gleichstellungspolitik im Rat

Der Gleichstellungsausschuss tagt sechsmal jährlich, die Geschäftsführung liegt im Gleichstellungsbüro. Hier werden gleichstellungspolitische Themen vertieft und Empfehlungen für andere Fachausschüsse entwickelt. Der Gleichstellungsausschuss beschließt auch über die Vergabe von Fördermitteln, die zur Durchführung von kleineren geschlechtsspezifischen und regionalen Projekten zur Verfügung stehen (siehe Projektförderung). Am öffentlichen Teil des Gleichstellungsausschusses können interessierte Bürger*innen teilnehmen (Infos über das Ratsinformationssystem der Stadt Flensburg).
Größere gleichstellungspolitische Vorhaben, die Konsequenzen für die gesamte Stadt haben, benötigen der Zustimmung im Rat, so z.B. der Beschluss zum Beitritt zur Europäischen Charta für die Gleichstellung von Männern und Frauen.

Projektförderung für geschlechtsspezifische Projekte

Die Stadt Flensburg stellt alljährlich 9.600.- € für die Förderung geschlechtsspezifischer Projekte zur Verfügung. Unterstützt werden damit Projekte und Maßnahmen, die der gezielten Förderung von Frauen und Männern, Jungen und Mädchen dienen oder die Gleichstellung der Geschlechter und die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt vorantreiben.
Näheres finden Sie in den aktuellen Förderrichtlinien und unserem Antragsformular, das Sie online ausfüllen oder ausdrucken und uns per Post zusenden können. Wenn Sie weitere Fragen oder Beratungsbedarf haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Für die Stadt Flensburg ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seit langem ein Thema. Das zeigt der voranschreitende Ausbau der Kinderbetreuung (Kita-Qualitätsoffensive) ebenso wie die grundsätzliche strategische Ausrichtung der Stadt, die sich z.B. in dem mehrjährigen Projekt „Lebenszeit 4.0“ widerspiegelt.
Auch wir setzen uns für gute Rahmenbedingungen in der Kinderbetreuung ein, um Alleinerziehende und junge Eltern zu entlasten und Kindern eine frühzeitige Chance auf Bildung und die Entwicklung sozialer Kompetenzen zu ermöglichen. Außerdem beraten wir verwaltungsintern Arbeitnehmer zu flexibleren Arbeitsbedingungen und –zeiten.

Europäische Charta für die Gleichstellung

In der Einleitung der Europäischen Charta für die Gleichstellung von Frauen und Männern auf kommunaler und regionaler Ebene (mehr Infos hier) heißt es, die Gleichstellung von Frauen und Männern sei ein Grundrecht aller Menschen sowie ein Grundwert jeder Demokratie. Um dieses Ziel zu erreichen, muss dieses Recht nicht nur vor dem Gesetz anerkannt sein, sondern wirksam auf alle Bereiche des Lebens angewendet werden: Politik, Wirtschaft und Kultur.

Die Stadt Flensburg ist am 7. Februar 2019 als erste Stadt in Schleswig-Holstein der Europäischen Charta beigetreten (Einzelheiten zum Festakt hier) und hat sich damit verpflichtet, innerhalb der nächsten zwei Jahre den Aktionsplan geschlechtergerechte Stadt zu erarbeiten und Schritte zu seiner Umsetzung einzuleiten.

Im II. Quartal 2019 wurden seitens eines den gesamten Prozess begleitenden Externen Steuerungsgremiums sieben Ziele, die für Flensburg gelten sollen, erarbeitet. Themen sind hierbei Gesundheit, geschlechtergerechte Verteilung von Familien- und Hausarbeit, Arbeitswelt 4.0 und andere.

Am 24. September 2019 fand in der Bürgerhalle eine große Fachveranstaltung statt, zu der Vertreter*innen der Stadtverwaltung, aus Politik und Institutionen eingeladen waren, um gemeinsam eine Bestandsaufnahme zu den sieben Zielen vorzunehmen. In insgesamt drei Stunden wurden zahlreiche bereits in der Stadt existierende Maßnahmen und Projekte gesammelt, aber auch Wünsche und Ideen geäußert.

Im I. Quartal 2020 sollen nun auch die Einwohner*innen an der Kampagne beteiligt werden. Hierzu wird sowohl eine digitale als auch eine analoge Umfrage durchgeführt werden. Weitere Informationen, wie auch Sie sich hier einbringen können, erhalten Sie in Kürze an dieser Stelle.

Einen kurzen Überblick über den Aktionsplan geschlechtergerechte Stadt und das weitere Vorgehen finden Sie in unserem Informationsblatt.

Jahrestage

Jahrestage sind gute Anlässe, um zu speziellen Themen zu sensibilisieren und zu informieren. Hierzu organisieren wir Veranstaltungen zusammen mit örtlichen Vereinen, Initiativen und Gruppen:

  • 8. März: Internationaler Frauentag (Frauentag 2019: Leporello Vorderseite und Rückseite)
  • 18. März: Equal Pay Day
  • 17. Mai: Internationaler Tag gegen Homophobie (Rainbow Cinema 2019 und Rainbow Days 2019)
  • Letzter Donnerstag im April: Girls‘ Day / Boys‘ Day
  • 19. November: Internationaler Männertag
  • 25. November: Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

Projekte

Wir engagieren uns in zahlreichen örtlichen Projekten und Initiativen, um das Thema Gleichstelllung in Flensburg weiter voran zu bringen. Aktuelle Beispiele sind:

  • „Sich sicher fühlen – sich frei bewegen“: Mit dieser Aktion wurde den Flensburger*innen die Möglichkeit eröffnet, der Stadtverwaltung Hinweise zu geben, in welchen Bereichen der Stadt sie sich unsicher fühlen. Das Gleichstellungsbüro verteilte hierzu im Februar 2018 5000 Postkarten im gesamten Stadtgebiet und richtete die Email-Adresse sicherfuehlen@flensburg.de ein, über die Sie weiterhin Rückmeldungen geben können. Im Februar 2019 wurde das Projekt beendet. Mehr Informationen über dessen Ablauf finden Sie hier.
  • „One Billion Rising“ (englisch für „Eine Milliarde erhebt sich“) ist eine weltweite Kampagne für ein Ende der Gewalt gegen Frauen und Mädchen und für Gleichstellung - mit Tausenden von Events in bis zu 190 Ländern der Welt. Die eine „Milliarde“ deutet auf eine UN-Statistik hin, nach der eine von drei Frauen in ihrem Leben entweder vergewaltigt oder Opfer einer schweren Körperverletzung wird. Wir haben diese Kampagne im Februar 2019 in Kooperation mit der Flensburger Mentaltrainerin Franka Albrecht und dem Flensburger Frauenforum erstmalig nach Flensburg gebracht.

Netzwerke

Wir engagieren uns in verschiedenen Netzwerken und Arbeitskreisen in der Stadt Flensburg zu den Themen Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit. Aktuelle Beispiele sind:

  • Flensburger Frauenforum (FFF): Dieses Forum ist ein Zusammenschluss aktiver Frauen aus Vereinen, Verbänden, Institutionen und Gewerkschaften der Stadt Flensburg und den Gleichstellungsbüros Flensburg und Harrislee zur Kooperation, zum Informationsaustausch und zur Durchsetzung gemeinsamer Ziele.
  • Arbeitskreis „Vielfalt“: Dieser offene Arbeitskreis besteht aus einer Vielzahl an Vereinen, Organisationen und Institutionen, die sich regelmäßig treffen, um geschlechtliche und sexuelle Vielfalt sichtbar zu machen und Diskriminierung und Vorurteile gegenüber Lesben, Schwulen, Bi, Trans*, Inter* und pansexuellen Menschen abzubauen. Maßgeblich unterstützt wird der Arbeitskreis vom Verein „SL-Veranstaltungen zur Förderung der Primärprävention e.V." aus Flensburg und dem Lesben- und Schwulenverband (LSVD) in Schleswig Holstein.

Infomaterial und Links

Hier finden Sie weitergehende Infos und Broschüren zu den Themen Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit: