In Flensburg entsteht ein neues Grundbildungszentrum
Grundbildung entscheidet schnell zwischen Teilhabe oder Ausschluss. Wer nicht ausreichend lesen, schreiben oder rechnen kann, kann im Alltag an vielerlei Dingen scheitern: an Formularen, Verträgen, digitalen Angeboten. Für geschätzt rund 200.000 Erwachsene in Schleswig-Holstein ist das Realität. Dabei geht es nicht nur um Buchstaben und Zahlen, sondern auch um Chancen, Arbeit und Selbstständigkeit. Grundbildung ist eine soziale Kernfrage.
Sieben Grundbildungszentren im Land
Deshalb wird künftig auch in Flensburg ein neues Grundbildungszentrum entstehen, ebenso wie in Geesthacht. Diese Entscheidung haben das Bildungsministerium Schleswig-Holstein und der Landesverband der Volkshochschulen heute bekanntgegeben. Damit wird das Netzwerk aus den bislang fünf Grundbildungszentren in Itzehoe, Kiel, Lübeck, Neumünster und Rendsburg sowie fünf Regionalstellen für Alphabetisierung in Husum, Meldorf, Norderstedt, Oldenburg in Holstein und Rendsburg erweitert.
Im Vorfeld hatte das Team der Flensburger Volkshochschule eine Menge Arbeit in die Bewerbung um ein Grundbildungszentrum gesteckt. Der Aufwand hat sich offenbar gelohnt, denn im Auswahlverfahren fiel die Entscheidung für den Standort Flensburg.
Lesen, Schreiben, Rechnen
Grundbildungszentren und Regionalstellen bieten kostenlose Beratung, Kurse und Lernmöglichkeiten in allen Bereichen an, die für ein selbstbestimmtes Leben in der Gesellschaft nötig sind – Lesen, Schreiben, Rechnen, Medien- und Digitalkompetenz, Verbraucherthemen und mehr. Je nach individuellem Lernstand können Teilnehmende unmittelbar in die Vorbereitungskurse für Schulabschlussprüfungen einsteigen.
„Grundbildungszentren schaffen Chancen für Menschen, ihre Fähigkeiten neu zu entdecken und weiterzuentwickeln. Sie sind ein wichtiger Baustein für ein gestärktes Selbstbewusstsein von Jugendlichen und Erwachsenen, für gesellschaftliche Teilhabe und eine leistungsfähige Wirtschaft. Mit den neuen Grundbildungszentren sichern wir die Zukunftsfähigkeit für noch mehr Menschen im Land“, bekräftigt Bildungsministerin Dr. Dorit Stenke.
Flensburgs zuständige Dezernentin Melanie Bach freut sich über die gute Nachricht für die Stadt. Bildung sei schließlich "der Grundpfeiler unserer Gesellschaft und der Garant für eine gute Zukunft". Flensburg eröffne nun alle Möglichkeiten, Bildung und das Lernen (wieder) aufzunehmen oder fortzuführen. "Das finde ich fantastisch", sagt Melanie Bach.
Nationale Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung
Im diesjährigen Landeshaushalt sind die Mittel für zwei weitere Grundbildungszentren in Höhe von 68.000 Euro jährlich pro Einrichtung vorgesehen. Außerdem stehen 100.000 Euro für die Finanzierung der Vorbereitungskurse auf Schulabschlüsse im zweiten Bildungsweg zur Verfügung. Damit leiste Schleswig-Holstein einen weiteren Beitrag zur „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ (AlphaDekade) von 2016 bis 2026, einer gemeinsamen Initiative von Bund, Ländern und gesellschaftspolitischen Partnern. Die Erhöhung der Fördermittel zahle zudem direkt auf die Maßnahmen zur Umsetzung der Weiterbildungsstrategie des Landes ein.
Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des vhs-Landesverbandes, erklärt, dass es nun auf eine Verstetigung der nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung ankomme, "weil der Wert für die gesellschaftliche Teilhabe jedes Einzelnen so hoch ist". Diese Fortsetzung müsse auf Bundesebene beschlossen werden – so wie es der Koalitionsvertrag vorsehe, so Rossmann.
Finanzierung durch das Land SH
Das Land Schleswig-Holstein finanziert das neue Grundbildungszentrum in Flensburg. Der Landesverband der Volkshochschulen Schleswig-Holsteins koordiniert das Projekt. Die Regionalstellen Alphabetisierung werden gefördert aus dem Landesprogramm Arbeit 2021 - 2027 mit Mitteln des Landes Schleswig-Holstein und des Europäischen Sozialfonds (ESF).
Ziel der Volkshochschulen ist ein Zentrum in jedem Kreis. Im Jahr 2024 haben 2.032 Erwachsene die Angebote der Grundbildungszentren genutzt. Nimmt man die Leistungen aller Volkshochschulen in Schleswig-Holstein zusammen, waren es 3.006 Personen, die 2024 an 397 Kursen im Grundbildungsbereich teilgenommen haben. Hinzu kommen gute Ergebnisse der Schulabschlusskurse für Erwachsene – im letzten Jahr erhielten etwa vier von fünf Prüflingen ihre Abschlusszeugnisse.