Nachhaltiges Flächenmanagement

Flensburg wächst – immer mehr Menschen wollen in der Stadt wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Gleichzeitig müssen wir sorgsam mit der Ressource Fläche umgehen, denn sie ist begrenzt – ein wichtiges Thema für die Stadtentwicklung.

Warum braucht es Nachhaltiges Flächenmanagement?

Flächen werden für viele Zwecke gebraucht: Wohnen, Straßen, Gewerbe, Parks, Schulen, Natur- und Klimaschutz. Doch jede neue bauliche Nutzung bedeutet meist auch, dass Boden versiegelt wird. Das heißt: Der Boden wird abgedeckt und kann kein Wasser mehr aufnehmen, keine Pflanzen mehr wachsen lassen und kaum noch zur Kühlung der Stadt beitragen. Dies geht zu Lasten der Natur, des Klimas, der öffentlichen Räume und verursacht letztlich Kosten für die Stadt.

Doch Fläche ist nicht nur begrenzt, sie muss heute auch viel mehr leisten als früher. Neben klassischen Nutzungen wie Wohnbauten oder Mobilität braucht es Platz für Wasseraufnahme, Kühlung, Artenvielfalt und andere sogenannte Ökosystemleistungen. Diese Leistungen werden immer wichtiger, besonders im Hinblick auf den Klimawandel. Die Herausforderung liegt darin, mehr Menschen und verschiedene Nutzungen auf der gleichen Fläche unterzubringen – und das möglichst sozial-, umwelt- und klimaverträglich.

Was ist Nachhaltiges Flächenmanagement?

Das NFM ist die Stelle in der Stadtverwaltung, die den Überblick behält, wenn es ums Thema Fläche geht. Es sammelt und analysiert Daten, vernetzt innerhalb der Kommune und entwickelt darauf aufbauend Strategien und Instrumente.

Zu den Aufgaben gehören:

  • Datenerfassung und Analyse:
    Das NFM sammelt detaillierte Daten darüber, wie viel Fläche in Flensburg bereits bebaut oder versiegelt ist. Hierfür wird ein digitales Werkzeug genutzt - der Flächenmonitor. Darin sind Luftbilder, Karten und viele Fachinformationen hinterlegt, um schnell sehen zu können, wo noch Flächenpotenziale liegen oder wo Entsiegelung sinnvoll wäre.

  • Strategien und Instrumente entwickeln:
    Das NFM setzt auf verschiedene Lösungen – oft auch kombiniert:

    • Flächenrecycling: Nutzung von bereits bebauten, aber ungenutzten Grundstücken (z. B. alte Industrieflächen).

    • Revitalisierung: Aufwertung bestehender Flächen, statt neue zu versiegeln.

    • Vertikale Potenziale: Statt in die Breite zu bauen, kann in die Höhe gebaut werden (z. B. Aufstockungen auf bestehenden Gebäuden, Wohnbebauung oberhalb von Parkplätzen oder auf Supermärkten).

    • Entsiegelung: Versiegelte Flächen wie ungenutzte Parkplätze oder Hinterhöfe sowie ungenutzte Restflächen können zurückgebaut und begrünt werden.

  • Beratung und Vernetzung:
    Das NFM arbeitet mit allen Bereichen der Stadt zusammen – von der Stadtplanung über den Umweltbereich bis hin zur Wirtschaftsförderung. Es bindet auch Bürger*innen ein, weil alle etwas mit dem Thema Fläche zu tun haben: Wohnen, Gewerbe, Mobilität, Freizeit oder Natur.

  • Öffentlichkeitsarbeit:
    Das NFM möchte verständlich erklären, warum ein strategischer Umgang mit Fläche wichtig ist – und welche Chancen es bringt. Denn weniger Flächenverbrauch bedeutet nicht Stillstand, sondern neue Ideen für eine lebenswerte Stadt.

Welche Perspektiven bietet Nachaltiges Flächenmanagement für das Thema Fläche?

Für das NFM geht es darum Wachstum zu gestalten, Entwicklung ermöglichen und dabei Qualitäten schaffen. Denn Fläche ist gleichzeitig:

  • Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen

  • Schutzschild gegen Klimafolgen, weil unversiegelte Böden Regenwasser aufnehmen, kühlen und CO₂ speichern

  • Entwicklungsraum, für Spielplätze, Parks und Gärten

  • Kostenfaktor, weil Versiegelung langfristig hohe Folgekosten für Hochwasserschutz, Klimaanpassung und Infrastruktur verursacht

  • Einnahmequelle, weil dort ökonomische Aktivität stattfinden kann

  • Wertvolle Ressource, die sich nicht beliebig vermehren lässt

Deshalb ist es für das NFM wichtig, Projekte nicht nur isoliert zu bewerten, sondern immer im städtebaulichen und ökologischen Zusammenhang zu betrachten.

Gerade in Flensburg liegt eine große Chance: Unsere Stadt verfügt im Bereich der Siedlungs- und Verkehrsflächen noch über viele Flächen, die bislang eher „eindimensional“ genutzt wurden – also entweder nur für Wohnen, nur für Gewerbe oder nur für Verkehr. Diese Flächen bieten heute Potenzial, um sie im Sinne der sogenannten Mehrfachen Innenentwicklung neu zu denken. Dabei spielt die Multifunktionalität eine zentrale Rolle. Das Ziel ist die Maximierung der sozialen, ökologischen und ökonomischen Qualitäten einer Flächennutzung.

  • Aufwerten, damit Flächen mehrere Funktionen erfüllen können – zum Beispiel gleichzeitig Aufenthaltsqualität, Ökologie und Klimaanpassung bieten

  • Effizienter nutzen, durch Stapelung verschiedener Nutzungen auf derselben Fläche, zum Beispiel Wohnen über Parkplatzflächen oder Gewerbe unter Grünflächen

  • Entsiegeln und Grünflächen schaffen (z. B. Baumüber­schir­mung, Grüninseln, Versickerungsflächen)

Was ist der politische Rahmen des Nachhaltigen Flächenmanagements?

Die Arbeit im Rahmen des Nachhaltigen Flächenmanagements in Flensburg steht im Einklang mit wichtigen politischen Zielen auf verschiedenen Ebenen:

  • Europäische Union:

    • Ziel „No Net Land Take“ bis 2050 – der Nettoflächenverbrauch soll auf null reduziert werden.

  • Deutschland:

    • Nationale Nachhaltigkeitsstrategie 2050 mit dem Leitprinzip der Flächenkreislaufwirtschaft: Vorrang für Nutzung bestehender Flächenpotenziale statt neuer Flächeninanspruchnahme.

  • Schleswig-Holstein:

    • Ziel, die Neuinanspruchnahme von Flächen deutlich zu reduzieren, Ziel 1,3 ha pro Tag ab 2030.

  • Stadt Flensburg:

    • Netto-Null-Versiegelung ab 2030 (Strategie Flensburg 2030+)

Diese politischen Vorgaben bilden den Rahmen für das NFM. Das NFM setzt sich dafür ein Flächen nachhaltig zu nutzen, vorhandene Flächenpotenziale zu aktivieren und so einen Beitrag zum Klima-, Natur- und Ressourcenschutz sowie zur Lebensqualität in unserer Region zu leisten.

Wer finanziert das Nachhaltige Flächenmanagement?

Im Rahmen des 1,3 Hektar Ziels fördert das Land Schleswig-Holstein Flächenmanager*innen in den Städten Kiel, Lübeck, Neumünster, und Flensburg sowie den Kreisen Dithmarschen und Stormarn. Diese entwickeln Lösungen für die wachsenden Herausforderungen im Zusammenhang mit Flächenneuinanspruchnahme, Zersiedelung und Versiegelung. 

Die aktuelle Förderung läuft noch bis Ende 2026.

Daten zum Thema Versiegelung in Flensburg

In Flensburg wurde in den letzten 25 Jahren eine Flächen von  durchschnittlich 5 Fussballfeldern pro Jahr neuversiegelt. Die Versiegelung durch Wohnbebauung, Gewerbeentwicklung und Straßen steigt aktuell weiterhin an. 

Versiegelung in Flensburg nach Nutzung 

Der größte Anteil der versiegelten Flächen entsteht durch Gebäude. Im Bereich der "Sonstigen Flächen" existiert ein großes Potential für Nachverdichtung sowie Entsiegelung.

Versiegelung_nach_Nutzung_FL


Verkehr

Im Verkehrsbereich entfällt der größte Anteil auf die Fahrbahn. Insbesondere im Bereich des ruhenden Verkehrs existieren große Potentiale für eine effizientere Flächennutzung. Hierbei ist zu beachten, dass die privaten Stellplätze nicht in der Fläche enthalten sind.

Versiegelung_Verkehr_FLensburg