"Gedächtnis der Stadt": Ein Besuch im Stadtarchiv

Das Flensburger Stadtarchiv im Rathaus wird oft als das „Gedächtnis der Stadt“ bezeichnet. Es bewahrt die Geschichte Flensburgs und macht sie für alle Interessierten zugänglich. Hier werden Dokumente, die Flensburgs Entwicklung über Jahrhunderte hinweg dokumentieren, gesammelt und gesichert. Zu den Beständen zählen unter anderem Akten, Amtsbücher, Urkunden, Personenstandsregister, Adressbücher, Fotos, Pläne und Zeitungen auf Mikrofilmen.

Auch für stadtgeschichtlich interessierte Laien

Diese Dokumente können nicht nur von Forschern eingesehen werden, sondern von allen, die daran interessiert sind und etwas über die Geschichte Flensburgs erfahren möchten. Das bedeutet, dass nicht nur Wissenschaftler, Studierende und Schüler im Archiv zur Recherche willkommen sind, sondern beispielsweise auch stadtgeschichtlich interessierte Laien. 518 Besucher und Besucherinnen zählt das Archiv für 2025.

Digitale Zukunft

Dr. Jessica von Seggern leitet das Stadtarchiv seit drei Jahren. Als eine wichtige Aufgabe nennt sie auch die Übernahme und Bereitstellung digitaler Unterlagen, „um auch in Zukunft wichtige Dokumente zur Geschichte Flensburgs bereitstellen zu können.“ Das sei eine Herausforderung für Archive, aber auch eine Chance, kulturelles Erbe langfristig zu sichern und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Das Stadtarchiv muss daher Strategien entwickeln, beide Formen gleichermaßen zu bewahren und zugänglich zu machen“, sagt von Seggern.

Beliebt für Ahnenforschung

Neben der Übernahme von Akten aus der Verwaltung und der Erschließung spielt auch der Service eine große Rolle. Auf Anfrage gibt das Stadtarchiv Auskünfte. Außerdem unterstützt das Team Besucher und Besucherinnen gern bei den Recherchen. In einem Lesesaal lässt sich überdies eigenständig in Quellen forschen. Besonders beliebt ist das Archiv für Menschen, die sich auf die Spuren ihrer eigenen Familiengeschichte begeben und Ahnenforschung betreiben. Während die Einsicht im Lesesaal kostenfrei ist, fallen für Recherchearbeiten und die Anfertigung von Kopien Gebühren an.

Historische Quellen und insbesondere Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden ermöglichen einen spannenden Einblick in die vergangenen Generationen. Diese Unterlagen stehen jedoch erst nach Ablauf gesetzlicher Fristen im Archiv zur Verfügung.

Das "Rote Buch" der Strafverfolgung

Neben den alltäglichen Quellen gibt es außergewöhnliche Dokumente. Ein besonderes Beispiel ist das sogenannte „Rote Buch“. Hierbei handelt es sich um eine originale Niederschrift von Straftaten aus dem 16. Jahrhundert. Die Einträge sind alle in alter Schrift verfasst, wodurch sie einen eindrucksvollen Einblick in die Vergangenheit bieten. Auf manchen Seiten stellen Zeichnungen von Schwertern und Galgen dar, mit welcher Strafe die Missetaten der Verurteilten geahndet wurden.

Die Nachbarschaft zu Dänemark hat in den Jahren 2024 und 2025 die Beteiligung an einem Interreg-Projekt erleichtert. Beim Projekt namens „Archive beiderseits der Grenze – Relevanz, Herausforderungen und Zusammenarbeit“ haben das „Historie Haderslev“ und das Flensburger Stadtarchiv Unterschiede in der Arbeitsweise von Archiven auf beiden Seiten herausgearbeitet und in einem Flyer in deutscher und dänischer Sprache festgehalten.

Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte

Im Nachbarraum des Stadtarchivs im Rathaus befindet sich das Geschäftszimmer der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte, die Publikationen vertreibt sowie stadtgeschichtliche Veranstaltungen, Führungen und Vorträge organisiert. Weitere Informationen wie die Archivaliensuche lassen sich über die Homepage der Stadt finden sowie Termine und Projekte auf der Website der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte.

Das Stadtarchiv ist mittwochs, donnerstags und freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr geöffnet, Telefon 0461-852535.