Detektivarbeit im Fundbüro: Von der Beinprothese bis zum Schlüsselbund
Das drei Meter lange bunte Board zum Stand-up-Paddeln (SUP) ist nicht zu übersehen. Und doch reiht es sich ein in die vielen Fundstücke, die aktuell im Lager des Fundbüros im Flensburger Rathaus der Dinge harren. Das SUP-Board wurde im Mai vor einem Jahr in Solitüde angetrieben. Jemand vertraute es Kevin Petersen und Klaus Petersen im Fundbüro an.
Im Jahr 2025: Rund 1500 Fundsachen
Rund 1500 Fundstücke aller Art haben Finder hier im Untergeschoss im vorigen Jahr abgegeben. Die Quote der Wiedervereinigung von verlorenen Dingen mit den rechtmäßigen Besitzern ist aber noch ausbaufähig, finden die beiden Kollegen. Klaus Petersen beziffert die Zahl der Fundsachen, die 2025 wieder bei den richtigen Eigentümern landeten, mit rund 350. Er vermutet, dass viele nicht erwarten würden, dass verlorene Gegenstände abgegeben werden. Aber Kevin Petersens Beobachtung ist eindeutig: „Die Flensburger sind ehrliche Finder.“
Wenn die Spur zum Besitzer zurückführt
Bei Geldbörsen sieht das Verhältnis jedenfalls schon besser aus und lautete im vorigen Jahr 200 verlorene Portemonnaies zu 144, die zurück an den Besitzer gingen. In diesem Fall mögen der Wert des Objekts und die Motivation, es wieder in Empfang zu nehmen, besonders hoch sein. Gerade diese Detektivarbeit, aufgrund von Hinweisen an den Sachen die Spur zum Besitzer zurückzuverfolgen, reizt beide Mitarbeiter besonders an ihrem Job. Und der schönste Moment folgt immer dann, wenn einer der Petersens den verlorenen Gegenstand dem strahlenden Menschen im Büro zurückgeben kann.
Klaus Petersen erinnert sich an eine wertvolle Breitling-Uhr im hohen vierstelligen Euro-Bereich, die abgegeben wurde. Aufgrund der Seltenheit macht er das Fachgeschäft ausfindig, das solche Uhren verkauft, und stellte so den Kontakt zum Kunden her. Am Ende waren beide hoch erfreut: der Uhrenbesitzer ebenso wie der Finder, der sich über einen Finderlohn freuen konnte.
Finder können nach Frist Eigentum erwerben
Grundsätzlich gilt, dass Funde im öffentlichen Raum, auf die niemand Besitzanspruch erhebt, angezeigt werden müssen. Wenn die Aufbewahrungsfrist für die Dinge abgelaufen ist und der Eigentümer unbekannt bleibt, kann der Finder das Eigentum erwerben. Genau das hat der Finder von zwölf Paletten Bier gemacht, die er nach der Frist auslöste und abholte.
Regelmäßige Versteigerungen im Rathaus
Ist der Eigentümer nicht ausfindig zu machen und meldet sich nicht, dann können die Fundsachen versteigert werden. Mindestens zwei Termine im Jahr gibt es dafür im Rathaus – und die Veranstaltungen sind stets gut besucht. Am Vormittag des Tages kann man die Dinge besichtigen, am Nachmittag ersteigern. Fundsachen kann man auch online auf der Website des Fundbüros einsehen. Aktuell gibt es jede Menge herrenlose Fahrräder und Schlüssel ebenso Ipods und Iphones, Schmuckstücke und Uhren, die im Tresor aufbewahrt werden.
Pferdesattel bis Goldfisch
Kuriose Funde wie der Pferdesattel, ein tragbarer Spielautomat oder auch die Beinprothese, die vor Jahren gefunden wurde und niemand abholen wollte, würden noch Platz finden in den Regalen des Büros oder im Lager. Und als einmal ein Goldfisch in einer Wassertüte im Rucksack abgegeben wurde, hat Klaus Petersen den natürlich sofort zu einer Tierhandlung gebracht.
Öffnungszeiten
Das Fundbüro im Rathaus (Untergeschoss U 13) öffnet montags, dienstags und donnerstags ab 8.30 bis 12 Uhr, donnerstags ist zusätzlich von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Der nächste Versteigerungstermin steht noch nicht fest.