Kommunale Präventionskette
Unser Leitgedanke:
„Alle Kinder zählen. Und jedes einzelne Kind zählt.
Wir sorgen dafür, dass Kinder, Jugendliche und Familien in Flensburg sicher, gesund und mit guten Chancen aufwachsen können – unabhängig von Herkunft, Geld oder Lebenslage.
Vielfalt ist normal. Mitreden ist wichtig.
So wird unsere Stadt ein guter Ort für alle“
Faktenblatt
Was sind Präventionsketten?
Als Präventionsketten werden integrierte kommunale Gesamtstrategien bezeichnet, die die vielfältigen fördernden und unterstützenden Angebote für ein gelingendes Aufwachsen ressortübergreifend strategisch und zielorientiert aufeinander abstimmen.
Ziel der Zusammenarbeit ist, die Teilhabechancen aller jungen Menschen für ein gelingendes Aufwachsen zu fördern, mit umfassenden Chancen auf Bildung, Gesundheit und monetär-materieller sowie sozio-kultureller Teilhabe für alle. Dies gilt insbesondere für jene, die in Armutslagen aufwachsen, um so den langfristigen Folgen fehlender Teilhabechance gemeinsam, abgestimmt und wirksam entgegenzutreten.
Kommunale Fachämter, Institutionen, Träger sowie Akteurinnen und Akteure verbinden sich dazu in einer ressort- und sektorenübergreifenden Kooperation zu einem über Altersgruppen und Lebensphasen hinweg abgestimmten Netzwerk für Kinder und Familien. Sie führen in einem fortwährenden Prozess bestehende und neue Strukturelemente zusammen und ermöglichen so abgestimmtes Handeln im Rahmen einer integrierten kommunalen Gesamtstrategie. Dieses Vorhaben ist mittel- bis langfristig anzulegen und sollte keinen kurzfristigen Projektcharakter haben.
Das Landesmodellvorhaben
Landeskonzept
Von 2025 bis 2027 unterstützt das Land ein spezielles Projekt, das den Aufbau und die Weiterentwicklung von sogenannten Präventionsketten für Kinder fördert. Dabei geht es darum, Kinder vom Moment ihrer Geburt bis zum Übergang in den Beruf auf kommunaler Ebene bestmöglich zu begleiten. Das Hauptziel ist, die Chancen auf Teilhabe für Kinder und Jugendliche zu verbessern und die negativen Folgen von Kinderarmut zu verringern.
In einem umfassenden Handlungskonzept sollen die verschiedenen Angebote und Leistungen aus den Bereichen Jugend, Soziales, Gesundheit und Bildung gebündelt werden. Dabei wird geprüft, wie wirksam diese Maßnahmen sind, und sie werden bei Bedarf weiterentwickelt.
Das Projekt wird vom Ministerium für Soziales, Jugend, Familie, Senioren, Integration und Gleichstellung geleitet. Gemeinsam mit dem Ministerium für Justiz und Gesundheit sowie dem Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Kultur und Forschung wird das Vorhaben umgesetzt. In einem Landeskonzept sind die wichtigsten Ziele und Inhalte des Projekts festgelegt.
Weiterhin wird das Projekt von der Auridis-Stiftung gefördert, von dem Institut für soziale Arbeit Münster e.V. begleitet und von Schmidt Evaluation evaluiert.
Modellstandorte:
Neben dem Kreis Rendsburg-Eckernförde wurde die Stadt Flensburg als einer von zwei Modellstandorten ausgewählt.
Bewerbung Flensburgs als Modellkommune
Gemeinsam stark von Anfang an – Warum Flensburg Präventionsketten aufbaut
Wie aus dem aktuellen Flensburger Kinder- und Jugendbericht hervorgeht, hat Flensburg, wie die meisten westdeutschen Großstädte auch, eine überdurchschnittlich hohe Kinder-und Jugend-Armutsquote.
Für viele junge Menschen sind damit erschwerte Startbedingungen verbunden – mit eingeschränkten Bildungs- und Teilhabechancen, gesundheitlichen Belastungen und geringeren Möglichkeiten, ihr Potenzial voll zu entfalten.
Auch wenn die Ursachen für Armut multifaktoriell sind und außerhalb des kommunalen Gestaltungsspielraumes liegen, sind die kommunalen Angebote und Strukturen vor Ort entscheidend dafür, wie stark die Auswirkungen von Armut auf Gesundheit, Bildungschancen und soziale Teilhabe sind. Flensburg hat sich daher bewusst entschieden, diesen Herausforderungen strukturiert und langfristig zu begegnen: mit dem Aufbau von Kommunalen Präventionsketten.
Früh ansetzen – wirksam handeln
Präventionsketten stehen für ein abgestimmtes, verlässliches Unterstützungsnetzwerk – von der Schwangerschaft über die frühen Lebensjahre, den Kita- und Schulbereich bis hin zum Übergang in Ausbildung und Beruf. Ziel ist es, Kinder, Jugendliche und ihre Familien entlang des gesamten Aufwachsens bedarfsgerecht zu begleiten und Angebote so aufeinander abzustimmen, dass alle Kinder, Jugendlichen und Familien die Unterstützung bekommen, die sie benötigen, unabhängig von ihrer aktuellen Lebenssituation.
Dabei werden Präventionsketten als ein zentraler Baustein für armutssensibles Handeln verstanden. Sie tragen dazu bei, strukturelle Benachteiligungen frühzeitig zu erkennen, Zugänge zu Hilfen zu erleichtern und Ressourcen gezielt dort einzusetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden.
Prävention als gemeinsame Verantwortung
In Flensburg besteht ein klares (Selbst-)Verständnis darüber, dass Investitionen in Prävention unverzichtbar sind. Dies geschieht nicht allein aus ethischer und moralischer Verantwortung gegenüber jungen Menschen und ihren Familien. Es ist zugleich Ausdruck der Überzeugung, dass gute Startbedingungen entscheidend für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Erhalt unserer Demokratie sind.
Wer Teilhabe-, Bildungs- und Gesundheitschancen verbessert, investiert in die Zukunft der gesamten Stadtgesellschaft. Frühzeitige Unterstützung hilft, armutsbedingte Benachteiligungen zu verringern – und trägt langfristig dazu bei, gesellschaftliche Folgekosten zu minimieren. Prävention ist damit nicht nur sozial geboten, sondern auch nachhaltig und ökonomisch sinnvoll.
Breite Unterstützung in Politik und Verwaltung
Dieses Verständnis wird in Flensburg von einer breiten politischen Mehrheit getragen. Die Bewerbung um die Teilnahme am Landesmodellvorhaben zum Aufbau von Kommunalen Präventionsketten wurde sowohl im Jugendhilfeausschuss (JHA), im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Integration (SUG) sowie im Ausschuss für Bildung und Sport (ABS) beraten und befürwortet. Auch die Ratsversammlung hat die Bewerbung beschlossen.
Darüber hinaus wird der Aufbau der Präventionsketten von der Verwaltung und von zahlreichen professionellen Akteurinnen und Akteuren aus den Bereichen Jugendhilfe, Bildung, Gesundheit und Soziales aktiv unterstützt. Diese gemeinsame Verantwortung ist eine wesentliche Grundlage für den Erfolg.
Ein Strukturprozess mit langfristiger Perspektive
Auch wenn das Landesmodellvorhaben zeitlich begrenzt gefördert wird, versteht Flensburg den Aufbau von Präventionsketten ausdrücklich nicht als befristetes Projekt. Vielmehr handelt es sich um einen nachhaltigen Strukturveränderungsprozess.
Ziel ist es, dauerhaft tragfähige Kooperationsstrukturen, verbindliche Abstimmungsprozesse und eine gemeinsame strategische Ausrichtung zu etablieren. Präventionsketten sollen langfristig dazu beitragen, Chancengerechtigkeit in Flensburg zu stärken und Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft bestmögliche Entwicklungsbedingungen zu bieten.
Flensburg setzt damit ein klares Zeichen: Für mehr soziale Gerechtigkeit, für starke Kinder und Jugendliche – und für eine solidarische, zukunftsfähige Stadtgesellschaft.
Veranstaltungsdokumentation
Partner
Das Projekt wird gefördert durch das Land und die Auridis Stiftung, begleitet durch das Institut für Soziale Arbeit (ISA) und evaluiert durch Schmidt Evaluation