Norddeutsches Vermittlungszentrum: Aktueller Stand der Standortfrage

Autor/in: Antje Walther

„Errichtung eines Vermittlungszentrums zum Nationalsozialismus in der Region 1933-45 einschließlich der besonderen Rolle Flensburgs im Mai 1945 sowie der Kontinuitäten nach 1945“: So ist die Maßnahme im Handlungsprogramm der Strategie Flensburg 2030+ umschrieben, die die Flensburger Ratsversammlung am 2. Mai 2024 beschlossen hat. Mit Beschluss vom 27. August 2026 hat die Ratsversammlung die Fortsetzung des Gesamtprojekts bestätigt.

Die Verwaltung soll die Standortvariante im Bibliotheksflügel des Deutschen Hauses weiterverfolgen. Verglichen mit der Variante der Polizeidirektion Norderhofenden 1 hat der Bibliotheksflügel des Deutschen Hauses laut Machbarkeitsstudie den Vorteil, dass er günstiger und verfügbar ist, weil sich das Gebäude im Eigentum der Stadt befindet. Teil der politischen Beschlüsse ist auch, dass man die Optionen in Norderhofenden dennoch weiterhin im Auge behält, weil die historische Bedeutung des Gebäudes der Polizeidirektion mit Arrestgebäude und „Dönitzhof“ unbestritten ist.

Sachstand im Hauptausschuss

Längst hat sich eine intensive Diskussion innerhalb der interessierten Öffentlichkeit über den Standort des künftigen Vermittlungszentrums entwickelt. Zugleich kursieren widersprüchliche Angaben darüber, ob und wann die Polizeidirektion ihren Standort in Norderhofenden verlässt und das denkmalgeschützte Gebäude frei würde.

Dies hat Ellen Kittel zum Anlass genommen, im Hauptausschuss am 8. September einmal den Sachstand klarzustellen. Die Leiterin des Fachbereichs Kultur, Weiterbildung und Hochschulen ist Projektleiterin des Vermittlungszentrums (und Mitglied der Steuerungsgruppe des Projekts).

Keine verbindliche Aussage zu Auszug der Polizeidirektion

Ellen Kittel verweist auf eine Kleine Anfrage des SSW vom 26. August zur Verlagerung der Polizeidirektion Flensburg und dem geplanten Neubau in Harrislee im Landtag. Die darauf basierende Berichterstattung in den Lokalmedien legte einen Auszug der Polizei im Jahr 2031 nahe. Jedoch liegt derzeit keine verbindliche Aussage zum Auszugszeitpunkt, zu den Nachnutzungsabsichten und zu möglichen Nutzungs- oder Erwerbsbedingungen vor, erklärte Kittel. Allerdings eröffne die Entwicklung die Chance, frühzeitig zu klären, ob der historisch bedeutsame Standort künftig für das Vermittlungszentrum genutzt werden kann.

Kontinuierlicher Austausch mit Akteuren in Kiel

Deshalb bleibe die Verwaltung im Gespräch mit den zuständigen Stellen des Landes und baue die Kontakte aus. So bestehe Kontakt zu der für Polizeiliegenschaften in Flensburg und Umgebung zuständigen Stelle im Innenministerium und direkt zur Polizeidirektion vor Ort. Zudem habe man den Austausch mit der beim Finanzministerium angesiedelten und für Liegenschaften des Landes zuständigen GMSH aufgenommen.

Fortsetzung der Planung mit Bibliotheksflügel

Inzwischen habe man zudem das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft und Kultur in die Gespräche einbezogen. Für Oktober habe man zusammen mit der bei der Stadt zuständigen Dezernentin Melanie Bach einen nächsten Termin mit Staatssekretär und Abteilungsleiter vereinbart. Dabei sollen insbesondere die inhaltliche Bedeutung des Vermittlungszentrums und mögliche Unterstützungs- sowie Förderoptionen ausgelotet werden.

Gleichzeitig werde die Planung mit dem Bibliotheksflügel fortgesetzt und parallel die Perspektive Norderhofenden aktiv verfolgt, kündigte Projektleiterin Ellen Kittel im Hauptausschuss an. Als nächste Schritte nannte sie die Beauftragung einer Konzeptstudie, die Implementierung eines wissenschaftlichen Beirats und die Beteiligung der Stadtgesellschaft.