Kältemobil und Little Home: Aktionstag der wohnungslosen Menschen soll Not sichtbar machen

Wenn Menschen kein Haus oder keine Wohnung mehr haben, verlieren sie häufig mehr als nur vier Wände: Sie verlieren ihre Postadresse, Privatsphäre, manchmal sogar den Zugang zu Arbeit, Gesundheit, Behörden, kurz: der Gesellschaft. Wenn diese Menschen nicht bei Freunden oder in einer Notunterkunft unterkommen suchen sie sich oft einen Platz, der sie möglichst unsichtbar macht.

Damit jedoch verschwindet das Problem und ihre Not nicht. Deshalb passt das Motto des diesjährigen bundesweiten Aktionstags so gut: „Hinschauen. Aktiv werden – gemeinsam gegen Wohnungsnot“.

Auch Flensburg hat sich am 11. September mit Infoständen, Führungen zu Hilfeanlaufstellen und Präsenz mitten in der Innenstadt an der Holmnixe am Tag der wohnungslosen Menschen beteiligt.

Sozialdezernentin Melanie Bach wies in ihrem Wort zur Begrüßung der interessierten Öffentlichkeit und der Vertreterinnen und Vertreter des lokalen Hilfenetzwerks darauf hin, dass Wohnungslosigkeit auch in dieser Stadt kein Randphänomen mehr ist, sondern Realität. 1346 Fälle beziehungsweise Beratungen zählt das Sachgebiet Wohnungslosenhilfe von Jahresbeginn an bis Ende August, sagte sie und nannte als größte Gruppe der Betroffenen die Menschen zwischen 25 bis 39 Jahren mit mehr als 500 Personen in Flensburg. Aktuell sind über 100 Menschen in den städtische Notunterkünften untergebracht. 

Die Stadt übernehme Verantwortung, mache sich stark für Prävention, um Wohnungslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen, könne aber nicht allein die Probleme lösen. Melanie Bach lobte das starke Netzwerk vor Ort. Dafür, wie dort ein Rädchen ins andere greift, wirbt Gerald Fust, Leiter der Wohnhilfen und Schuldnerberatung, immer wieder in anderen Kommunen anschaulich mit dem Fachstellenpuzzle.

Vertreterinnen und Vertreter dieses Netzwerks haben vor Ort Fragen zu den Hilfeangeboten beantwortet, darunter Streetworker, Menschen der Bahnhofsmission, des Diakonischen Werks. Aber auch Kältebus und eines von zwei Flensburger Little Home standen zur Verfügung, um sich selbst einen Eindruck zu verschaffen, wie Hilfe konkret aussieht. Diese wird auch auf starken Schultern Ehrenamtlicher getragen.

Ab dem 01. November wird der Kältebus mit gespendeter Kleidung, Schlafsäcke, warmen Getränken und Speisen an Bord wieder durch die Stadt touren und gezielt Orte und Menschen aufsuchen, die Hilfe brauchen. Zeitgleich sollen beide Little Homes wieder aufgebaut werden, um Menschen ohne Dach über dem Kopf wenigstens einen eigenen geschützten Schlafplatz zu bieten. Diese Hilfe kommt an.

Aber auch außerhalb des Zeitraums des Winternotprogrammns bietet die Wohn- und Obdachlosenhilfe der Stadt ganzjährlich Beratungs- und Hilfsangebote für alle Flensburger*innen.