Lesen, schreiben, rechnen: Grundbildungszentrum in Flensburg eröffnet

Autor/in: Antje Walther

Auf den Fluren erklingt Stimmengewirr, Gläser klirren, viele Gäste besetzen allmählich die Stuhlreihen in einem der Klassenzimmer im Erdgeschoss des ehemaligen Schulgebäudes. Nun prangt an der Front des historischen Gelbklinkergebäudes ein nicht zu übersehendes Schild mit den Buchstaben „vhs“ für Volkshochschule. 

Geschätzt rund 8000 Menschen in Flensburg könnten Schwierigkeiten haben, diese Abkürzung zu entziffern oder auszuschreiben. Und genau darum geht es: Kurz vor dem Weltalphabetisierungstag, der jedes Jahr am 8. September dem Thema zu etwas mehr Aufmerksamkeit verhilft, hat hier am 2. September in der Schulgasse 4 in Flensburg feierlich das Grundbildungszentrum eröffnet. Mit einem weiteren Zentrum in Geesthacht gibt es nun sieben Standorte in Schleswig-Holstein – neben den beiden neuen sind das Itzehoe, Kiel, Lübeck, Neumünster und Rendsburg.

Einbettung in die Stadtteile und alltagsnahe Formate

Bei der Eröffnungsveranstaltung in der Neustadt in Flensburg spricht Dr. Doris Stenke von Angst und Unbehagen, die viele Betroffene davon abhält, eine Hemmschwelle zu überwinden und sich für bestehende Angebote anzumelden. Die Ministerin für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur beglückwünscht das Team der Volkshochschule auch deshalb, Grundbildungsarbeit direkt in den Stadtteilen einzubetten und sich mit lokalen Partnern zu vernetzen. Sie freue sich, dass neben klassischen Kursen flexible und alltagsnahe Formate wie Lerncafés und mobile Angebote geplant sind.

Die VHS Flensburg ist nämlich die erfahrene Institution vor Ort, die das Zentrum aufbaut und betreibt. Stadträtin Melanie Bach bedankt sich beim Team dahinter, das viel Zeit und Gedanken in die Bewerbung investiert hat – und nun mit Erfolg belohnt wird. Das schleswig-holsteinische „Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur“ hat die Förderung des Vorhabens zunächst bis Ende 2028 zugesagt.

Was ist Grundbildung?

Grundbildung umfasst grundlegende Kompetenzen, die erst die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Leben ermöglichen. Dazu gehören insbesondere Lesen, Schreiben, Rechnen sowie digitale und alltagsbezogene Fähigkeiten. Die Kompetenzen sollen Betroffene in der eigenen Bildungsbiografie voranbringen und sie mit dem ausstatten, was für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und auf dem Arbeitsmarkt notwendig ist. Eines der angestrebten Ziele kann dann sein, einen Schulabschluss nachzuholen.

Die durch das Land Schleswig-Holstein mit jährlich 68.000 Euro geförderten Grundbildungszentren sind ein Beitrag zur „Nationalen Dekade für Alphabetisierung und Grundbildung“ (AlphaDekade) von 2016 bis 2026, einer gemeinsamen Initiative von Bund, Ländern und gesellschaftspolitischen Partnern.

„Die Beteiligung an Grundbildungsangeboten ist erfreulich gestiegen. Die beteiligten Volkshochschulen sind sehr dankbar für die kontinuierlich ausgebaute Förderung durch die Landesregierung und alle Parteien im Landesparlament. Schleswig-Holstein steht damit auch im Vergleich der 16 Bundesländer nicht schlecht da“, erläutert Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des vhs-Landesverbandes. Nun ginge es laut Rossmann darum, dieses Gesamtnetz für die Zukunft noch enger zu knüpfen. Ziel der Volkshochschulen sei ein erreichbares Grundbildungszentrum in jedem Kreis beziehungsweise jeder kreisfreien Stadt. Dafür müsse die Fortsetzung der AlphaDekade, die bereits grundsätzlich angekündigt ist, konkret beschlossen werden.

Melanie Bach, Dezernentin für die Bereiche Soziales und Gesundheit, Jugend, Bildung, Sport und Kultur, wünscht zunächst einmal den Beteiligten in Flensburg neben Energie für den kommenden Weg, der durchaus anstrengend werden könne, vor allem auch viel Spaß am Lernen.

Förderhinweis

Die Grundbildungszentren in Flensburg, Geesthacht, Itzehoe, Kiel, Lübeck und Neumünster werden gefördert durch das Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein; das Grundbildungszentrum in Rendsburg aus kommunalen Mitteln. Hinzu kommen fünf Regionalstellen Alphabetisierung, gefördert aus dem Landesprogramm Arbeit 2021–2027 mit Mitteln des Landes Schleswig-Holstein und des Europäischen Sozialfonds (ESF).