Flensburgs koloniale Geschichte: 19 Entwürfe in der engeren Auswahl für einen Gedenkort »Memorial«
Eine textile Klinkerstruktur, die sich wie ein riesiges Segel im Wind wellt, eine hohe Klangskulptur, inspiriert von antiken Wüstenwindfängern, ein quadratisches Sitzkonstrukt aus Ziegelsteinen, das aus der Vogelperspektive einen QR-Code ergibt, unter dem wiederum Informationen zur kolonialen Vergangenheit Flensburgs hinterlegt sind: Diese drei Entwürfe gehören zu insgesamt 19, die es in die engere Auswahl für einen Gedenkort am Flensburger Hafen geschafft haben.
Nun hat die Flensburger Bevölkerung einen Monat lang Zeit, ihren Favoriten zu küren, mit dem die Kolonialgeschichte sichtbar gemacht werden soll. Auch Gäste der Stadt, die sich für das Thema und dessen Sichtbarkeit interessieren, können ihre Stimme abgeben. Bis zum 30. September sind die Entwürfe in der zweiten Etage im Schifffahrtsmuseum Flensburg ausgestellt. Plakate beschreiben jeweils das Konzept; begleitende Modelle oder Videoclips ergänzen um greifbare Informationen.
Ziegelsteine und Zuckerrohr
Als drittgrößte Hafenstadt im dänischen Gesamtstaat (bis 1864) profitierte die Hafenstadt Flensburg unter anderem beim Handel mit Zucker mit den dänischen Kolonien in der Karibik. Allerdings sind damit auch Sklavenhandel und Plantagenwirtschaft verbunden. Für die Überquerung des Atlantiks mit Segelschiffen wiederum wurden Ziegelsteine als Ballast an Bord mit verschifft. Diese kolonialen Verflechtungen verarbeiten die Denkmal-Entwürfe.
Der Wettbewerb
Sie sind im übrigen das Ergebnis eines künstlerischen Wettbewerbs, den die Stadt auf Grundlage politischer Beschlüsse im Februar ausgeschrieben hat. Die Ausschreibung richtet dabei auch den Fokus auf Perspektiven der in der Karibik versklavten Menschen.
Fast 100 Einsendungen aus der ganzen Welt
Die Resonanz auf den Wettbewerb hat auch Museumsleiterin Susanne Grigull überwältigt. Die 94 Einsendungen aus aller Welt nennt sie „hochkarätig“. Auch Kreative aus der Karibik sandten Vorschläge ein. Die ebenfalls internationale Auswahlkommission aus unter anderem Wissenschaft und Politik schickte schließlich 19 Beiträge zur Verfeinerung in die finale Runde.
Hier kommt nun die Öffentlichkeit wieder ins Spiel. „Wir freuen uns über jede und jeden, der sich dafür begeistern kann“, ermuntert Stadträtin Melanie Bach zum kostenlosen Besuch dieser Memorial-Ausstellung und zur Abstimmung. Letzteres geht per Postkarte vor Ort ebenso wie digital über das städtische Beteiligungsportal. Die Kultur-Dezernentin hebt nicht nur die Internationalität der Bewerbungen hervor, sondern auch die große Vielfalt der Beiträge.
Rund 6000 Euro Preisgeld werden dann an bis zu drei prämierte Entwürfe ausgeschüttet.
Welcher der prämierten Vorschläge realisierbar ist und wie er finanziert wird, wird dann Gegenstand der weiteren politischen Entscheidungsfindung sein. Ziel des Wettbewerbs ist zunächst ein Stimmungsbild, eine Vision eines Gedenkorts – ob als Segel oder Windspiel, als Konstruktion aus Zaunelementen oder Ziegelsteinen.