Tag des offenen Denkmals: Von der Alexandra bis zum Fräulein Zukertort
Von Heinrich Sauermann, dem Gründer der ersten deutschen Werkstattschule in Flensburg, haben die meisten im Norden sicher gehört. Anders verhält es sich vermutlich mit „Fräulein“ Marie Antonie Amalie Zukertort. Doch auch diese Dame hat Pionierarbeit geleistet, nachdem sie Ende des 19. Jahrhunderts nach Flensburg gekommen war, um die Private Höhere Mädchenschule von Louise Johannsen im Südergraben zu übernehmen. Dort gründete sie schließlich eine private Berufsschule für Frauen - nach Ausweichlösungen in Hinterhöfen und dem gescheiterten Versuch eines Schulneubaus.
In dieser Gegend in der Stadt ebenso wie im Nordergraben und in der Großen Straße wimmelte es damals von Bildungseinrichtungen. Am diesjährigen Tag des offenen Denkmals, am 13. September, hat Rachel Calladine (Denkmalschutz und Stadtbildpflege der Stadt Flensburg) mit ihrer Führung zu den Wirkungsstätten der Bildungspionierin Zukertort diesen Teil der Stadtgeschichte für die Gäste mit Leben gefüllt.
Einblicke ins Kloster zum Heiligen Geist
Diese Tour war eine von mehreren mit fachkundigen Guides. Denkmalschützer Axel Böcker begrüßte nicht nur zum offiziellen Auftakt des Tages in der Großen Straße 77, sondern führte auch durch das Kloster zum Heiligen Geist, das gerade noch aufwendig und natürlich denkmalschutzgerecht umgebaut wird und allerhand Überraschungen unter den Fachwerkbalken birgt.
18 Veranstaltungen in Flensburg
Die 33. Ausgabe des bundesweiten Tags des offenen Denkmals der Deutschen Stiftung Denkmalschutz - in Flensburg koordiniert von der Stadt, getragen auch von vielen privaten Schultern - widmete sich dieses Mal insbesondere dem Thema Infrastruktur. Hier an der Förde erstreckten sich 18 Veranstaltungen über den Tag und über das Stadtgebiet, angefangen in der Altstadt über Alexandra, Bahnhof und Bergmühle, Christiansenpark und Wasserturm bis hin zur Marineschule in Mürwik.
Auf Bundesebene organisiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz den Tag des offenen Denkmals. Diese privat organisierte Stiftung ist zugleich der größte Fördermittelgeber in Flensburg. Dieses Jahr werden die Sanierung der Lassengruft auf dem Mühlenfriedhof, die Nikolaikirche und das Eckener-Haus aus Mitteln der Stiftung mit dringend benötigten Hilfen bedacht.
Familiengeschichte der Bäckerfamilie Rerup in der Großen Straße 77
Beim feierlichen Auftakt um 10 Uhr im neogotischen Wohn- und Geschäftshaus in der Großen Straße 77 war Tilman Schlegelberger aus Kiel zu Gast. Der Nachfahre der Bäckerfamilie Rerup gab mit alten Aufnahmen und Anekdoten Einblick in seine deutsch-dänische Familiengeschichte. Er zeigte Fotos von den fünf schweren Öfen, gefliesten Räumen, die als Ausweis für hohe hygienische Ansprüche gelesen werden können, und von den Rerups. Kaum vorstellbar, dass im fein hergerichteten Hause einst eine Brotfabrik arbeitete.
Die Bedeutung von Denkmälern betonte auch OB Fabian Geyer in seinen Worten zum Anlass und nannte das Eckener-Haus als Entree in die Innenstadt, das es wert zu erhalten sei.