Kunst und Kolonialgeschichte - Kooperation mit der Karibik bahnt sich an

Autor/in: Antje Walther

Dyonna Potter ist zum ersten Mal in Europa. Und überrascht, wie gut es ihr hier gefällt. Flensburg erinnere sie sogar an ihre Heimat in der Karibik, sagt sie beim Pressegespräch an der Schiffbrücke, während die Sonne scheint und ein frischer Wind bläst. Auf St. Thomas, einer der US Virgin Islands, unterrichtet sie und macht Kunst. Eine knappe Woche lang war sie nun mit einem Künstler-Kollektiv Gast des Flensburger Schifffahrtsmuseums. Potter, Amelia Walters, Mary Gannett und Zachary Zook vertreten die gemeinnützige Kunststiftung 81C Arts in Charlotte Amalie, Hauptstadt der amerikanischen Jungferninseln. 81C Arts zeigt und fördert Kunst, lädt Schulklassen und Kreative ein, ermöglicht Austausch und Diskussion.

"Shared history – common future“

Der Aufenthalt der Gäste aus der Karibik in Flensburg ist schon der Gegenbesuch eines kürzlich angestoßenen Kennenlernprozesses, den die Kulturstiftung des Bundes fördert. Zehn Wochen zuvor reiste nämlich ein Trio aus Flensburg nach St. Thomas und St. Croix, um Möglichkeiten der Kooperation auszuloten, sagt Susanne Grigull. Finja Neubauer, Fachbereich Bildung, Sport und Kultur, und Alexandra Berger vom Bündnis Eine Welt Schleswig-Holstein e.V. begleiteten die Leiterin des Flensburger Schifffahrtsmuseums. Das Anbahnungsvorhaben des Schifffahrtsmuseums, gefördert im Programm WAYS der Kulturstiftung des Bundes, geschieht vor dem Hintergrund der gemeinsamen Kolonialgeschichte Flensburgs und der drei Inseln. Deshalb trägt es den Titel „shared history – common future“.

Ziegelsteine aus Flensburg

Sie führten viele Gespräche mit zahlreichen Leuten, berichtet Susanne Grigull, die vor 15 Jahren schon einmal die US Virgin Islands bereiste. Ihr seien insbesondere die Flensburger Ziegelsteine und Möbel aus Mahagoniholz aufgefallen. Auch umgekehrt ist das Besuchsprogramm für die karibischen Gäste vollgepackt mit Einblicken in die Kunstlandschaft im deutsch-dänischen Grenzland und in die dänische Minderheit.

Bis 1864 war Flensburg die drittgrößte Hafenstadt im dänischen Gesamtstaat. Dadurch profitierte die Stadt von Privilegien beim Handel mit den dänischen Kolonien in der Karibik – heute: St. Thomas, St. Croix und St. John. Seit dem Verkauf der Inseln 1917 bilden sie die US Virgin Islands.

Bei einer Pressekonferenz im Flensburger Schifffahrtsmuseum machen Bilder vom jüngsten Treffen die Runde; ein Foto zeigt das Geburtshaus des berühmten Impressionisten Camille Pissarro in Charlotte Amalie. Heute beherbergt das Haus als einer von drei Standorten von 81C Arts ein kreatives Bildungszentrum, um junge Leute an Kunst heranzuführen.

Attraktiver Austausch

Die Gäste aus der Karibik halten die gemeinsame Geschichte, die sich unter anderem in dänischen Straßennamen und historischen Gebäuden widerspiegelt, für bedeutsam. Und den Austausch mit Flensburg für „attraktiv“. Vor allem für junge Kreative könne er das Leben verändern, sagt der Fotograf Zachary Zook, der 81C Arts 2017 gegründet hat und unter anderem Vorstandsvorsitzender ist.

Bis Ende November wird sich abzeichnen, welche Kunstprojekte aus dem Anbahnungsprozess entstehen könnten. Das Interesse auf beiden Seiten ist groß.

Hintergrund zur Förderung

Der Fonds Anbahnung im Programm „WAYS – Faire und nachhaltige internationale Partnerschaften“ der Kulturstiftung des Bundes unterstützt bis zu neuneinhalbmonatige internationale Rechercheprojekte, die dem inhaltlichen Erkunden und Kennenlernen von möglichen Partnern dienen. Durch Aufenthalte vor Ort, Gespräche und Workshops sollen künstlerische Ziele und Formen einer fairen und nachhaltigen Zusammenarbeit entwickelt werden.

In der ersten Förderphase werden 58 Recherchevorhaben mit 1,46 Millionen Euro unterstützt.

Der Fonds Anbahnung kann in der gemeinsamen Bewerbung für einen der aufbauenden Fonds Fellows-at-Large oder Fonds Tandem im Programm WAYS münden.

Gefördert im Programm WAYS – Faire und nachhaltige Partnerschaften der Kulturstiftung des Bundes

Gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien