Kinder an die Macht in Mini-Flensburg: Für Straßenbahn und kostenfreies Mittagessen
Was ist denn hier los? Gerade sind Herbstferien, doch in der Ostseeschule tobt das Leben. 100 Kinder haben hier eine Woche lang das Sagen in der Mitmach-Stadt. Erwachsene dürfen den Acht- bis Zwölfjährigen unter die Arme greifen – von der Anmeldung von Gästen im Bürgerbüro bis hin zur Zubereitung des Essens für die gesamte Mini-Stadt sind das Kolleginnen und Kollegen vom Kinder- und Jugendbüro, aus Jugendzentren, der Schulsozialarbeit und viele mehr.
Plan- und Rollenspiel sofort ausgebucht
Zum achten Mal gibt es inzwischen diese Stadt in der Stadt – im Rahmen der städtischen Ferienpassaktion konnten sich die Kids schon vor den Sommerferien dafür anmelden. Das taten sie auch, sodass das Plan- und Rollenspiel in Windeseile ausgebucht war. Das federführende Kinder- und Jugendbüro orientiert sich bei der Umsetzung des spielpädagogischen Angebots seit der Premiere im Jahr 2018 an der Mini-Stadt von München.
Realer OB besucht das Mini-Flensburg in der Ostseeschule
Am Mittwoch besuchte Fabian Geyer, der Oberbürgermeister der realen Stadt, die Spielstadt in der Ostseeschule. Gleich am Eingang bekommt er im Bürgerbüro einen Besucherausweis mit Passfoto und Stempel. Hier nehmen Lara Kim und Johann den OB für die Mini-Flensburg-Führung in Empfang. Die beiden Elfjährigen sind keine geringeren als die an diesem Tag amtierenden Bürgermeister und Bürgermeisterin – gewählt für einen Tag aus der Mitte der Mini-Stadt.
Dafür muss man die „Bevölkerung“ mit einem guten Wahlprogramm überzeugen. Das will auch Charlotte am nächsten Tag noch einmal versuchen – sie spricht sich unter anderem für kostenloses Mittagessen aus. An diesem Tag aber arbeitet sie noch in der Schmuckherstellung – die hier gebastelten Halsketten, Ringe und andere Kostbarkeiten kann man gleich nebenan im Supermarkt „Konsum“ gegen „Baba“ erwerben.
Wirtschaftsleben in der Spielstadt
„Baba“ heißt die Währung in Mini-Flensburg. Dafür kann man auch selbst gemachte Blumen in der Gärtnerei, Grusellampen, eine Tasse Kakao und „Power-Frühstück“ im Bistro oder eine Gesangseinlage vom erwachsenen Micha kaufen. Nur im Casino wird man sein Geld gerade nicht los: Das hat „wegen Reichtum“ geschlossen, wie es an der Tür heißt.
Interview mit der Ministadt-Zeitung
Dann bittet die Ministadt-Zeitung OB Geyer zum Interview. Der willigt gern ein und berichtet der elfjährigen Reporterin Mireya und ihrer Kollegin, wie man Oberbürgermeister wird und, dass ihm die Arbeit „großen, großen Spaß“ macht. Ein Foto entsteht natürlich auch.
Vorbei an Bank und Bauhof, Rathaus mit Standesamt, Jobcenter, Finanzamt und Krankenhaus führt die Mini-Stadt-Verwaltungsspitze den Gast noch nach draußen, wo mit Hilfe des TBZ eine Kfz-Werkstatt arbeitet, und ins Filmstudio, das in der Schulzeit ein Mathe-Klassenraum ist. Die Trickfilme, die die Kinder hier entwickeln, werden später im Kino aufgeführt.
Schließlich fühlen Lara Kim und Johann dem Oberbürgermeister noch auf den Zahn. Die Elfjährigen fragen nach Preissteigerungen im öffentlichen Nahverkehr, warum es keine Straßenbahn mehr gibt und fachsimpeln über Entwicklungen in der bundesdeutschen Parteienlandschaft.
Fabian Geyer nimmt sich Zeit, diese kritischen Fragen zu beantworten und ermuntert die jungen Leute, nicht nachzulassen, „sich damit zu beschäftigen und nachzufragen, und zwar ohne Angst“.