Flensburg beschließt Strategie 2030+

Warum braucht es eine neue Strategie?

Die Stadt Flensburg möchte sich entwickeln hat aber, wie die meisten Städte in Deutschland mit zentralen Problemen zu kämpfen. Der Klimawandel wird auch in der Stadt deutlich spürbarer, das machte nicht zuletzt das verheerende Hochwasser aus 2023 deutlich. Die Stadt wächst und muss ihre zukünftigen Bewohner*innen mit Wohnraum versorgen, ohne dabei die Entwicklung und Bewahrung öffentlicher- und natürlicher Räume zu vernachlässigen. Bildungsangebote müssen folglich ausgebaut und gestärkt werden, soziale Ungleichheiten dabei vermieden und Verkehrsträger und Flächen sollen ausgewogen verteilt werden. Wirtschaftliche Entwicklung muss weiterhin ermöglicht werden, dass alles vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des sich verstärkenden Fachkräftemangels.

Die Stadt muss aber auch mit einer Ressource umgehen, die immer knapper wird: Durch die besondere topographische Lage der Stadt werden Flächen immer knapper. Möchte man nicht ungehemmt in das Umland wachsen, gilt mit der Ressource Fläche bewusst umzugehen und in die Anforderungen, die Klimawandelanpassung, Entwicklung von Sport- und Bewegungsflächen und viele weitere Aspekte stellen, gerecht zu verteilen. Hinzu kommen aktuelle und zukünftige Vorgaben des Bundes und des Landes, die ein Umdenken und ein Sparen der Ressource Fläche heute bereits einfordern. Flensburg muss also vorausdenken.

SDGs in Kommunen

Mit der neuen Strategie setzt man einen wichtigen Schritt in Richtung jener Gemeinschaftsaufgabe, die in 2015 durch 196 Staaten der Weltgemeinschaft der Vereinten Nationen(UN) eingeleitet wurde. 17 Ziele für unterschiedlichsten Themen wurden derzeit definiert, die es möglich machen sollen, die Welt bis ins Jahr 2030 und darüber hinaus zu einem zukunftsfähigen Ort zu machen. Seitdem 2015 die 17 Nachhaltigkeitsziele durch die Vereinten Nationen verabschiedet wurden, sind sie zu einem Eckpfeiler der nationalen Stadtentwicklungspolitik geworden, aus der die „Neue Leipzig Charta“ hervorging. Sie gilt als Leitdokument für eine zeitgemäße Stadtentwicklung in Deutschland und Europa - auf dieser starken Basis steht nun die Strategie Flensburg 2030+. Den Städten und Kommunen kommt hier eine besonders wichtige Rolle zu: in diesen Orten kommen unterschiedlichste Akteur*innen aus verschiedensten Bereichen zusammen. Sie sind Orte der Innovation, Diskussion und Aushandlung, Orte der Arbeit, der Kreativität, der Gestaltungs- und Veränderungskraft. Das macht sie nicht selten zu Modellen für eine zukunftsfähige Entwicklung. Flensburg hat dies erkannt und leistet einen nun seinen wichtigen Beitrag dazu. Dieser Beitrag soll nicht nur im Sinne globaler Nachhaltigkeit, sondern vor Allem im lokalen Kontext der Stadt vor Ort umgesetzt werden, so formuliert die Strategie 2030+ ganz konkrete Ziele für die Stadt selbst und flechtet sie in den globalen Kontext als Teil der Gemeinschaft ein.

Der Prozess

Der Prozess zur Strategie war intensiv: nachdem die Flensburger Ratsversammlung den Start des Prozesses 2021 beschlossen hatte, folgten mehr als zwei Jahre der Ausarbeitung.

Das Besondere an diesem langjährigen Prozess, war der umfangreiche Beteiligungsprozess. Die Bewohner*innen Flensburgs konnten sich immer wieder einschalten und selbst ihre Vorstellungen einbringen wie eine nachhaltige und zukunftsfähige Stadt aussehen könnte. Unter dem Motto „Deine Stadt, deine Ideen, unsere Zukunft!“ wurden die Beiträge, die in verschiedenen Online- und Vor-Ort Veranstaltungen gesammelt wurden und in die Strategie 2030+ eingearbeitet.

In Zahlen bedeutet das: Über 750 Menschen aus der Stadtöffentlichkeit haben sich aktiv beteiligt, 3000 Ideen und Beiträge wurden gesammelt. Diese Beiträge wurden auch in verschiedenen Flensburger Schulen gesammelt, wo sich Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Altersgruppen beteiligt haben. Weitere Bausteine der Erarbeitung der Strategie 2030+ war ein Expertengremium aus über 30 Personen aus Vereinen, Wissenschaft und Verbänden, der Stadtpolitik und der gesamten Stadtverwaltung.

Diese Akteurs-Konstellation über den mehrjährigen Zeitraum zusammen und erarbeiteten in intensiven und konstruktiven Diskussionen die Strategie 2030+. Insgesamt haben rund 950 Menschen aktiv an der Strategie mitgewirkt. Ein derartig offener Strategieprozess ist bisher einmalig - am Ende steht nun ein Handlungsprogramm, das in sieben Handlungsfeldern insgesamt 33 Strategische Ziele und 89 Operative Ziele definiert. Ein umfangreiches Werk, zu dem auch ein Katalog möglicher Maßnahmen für jedes Handlungsfeld gehört.

Das Ergebnis

Mit der Strategie 2030+ verfügt die Stadt Flensburg nun über ein Leitdokument für die gesamtstädtische Entwicklung über die nächsten Jahre. Einige Ziele sollen bereits bis 2030 erreicht und umgesetzt sein, andere gehen über diesen Zeitraum hinaus und sollen Voraussetzungen für folgende Projekte und Maßnahmen schaffen.

Nachdem die Phase der Strategieentwicklung nun abgeschlossen ist, folgt nun die Phase der Umsetzung. Dieser Phase soll durch ein zentrales Monitoring begleitet werden, um der umfangreichen Strategie gerecht zu werden Wichtig ist dabei die Perspektive:

  • Heute bereits bestehende Qualitäten der Stadt sollen bewahrt und gestärkt werden.
  • Gleichzeitig soll die Stadt mit Fingerspitzengefühl in eine zukunftsfähige Entwicklung übergehen und dabei Möglichkeiten und Chancen für Alle bieten.

Ganz wichtig: die Strategie 2030+ gibt der Stadt die Möglichkeit, sich heute schon auf künftige Herausforderungen vorzubereiten und so gut für die Zukunft aufgestellt zu sein.

Dies wird nur gelingen, wenn nachhaltige (Stadt-) Entwicklung als Gemeinschaftsaufgabe aus Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung verstanden und gelebt wird.

Dank

Wir möchten uns im Namen der Stadt Flensburg herzlich bei allen bedanken, die sich eingebracht haben, mitgedacht haben, informiert geblieben sind und diese mutige und zukunftsgerichtete Strategie mitgestaltet haben. Möglich gemacht wurde die Strategie 2030+ durch Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW) und der Agentur corsus aus Hamburg, die den Strategieprozess über die gesamte Laufzeit begleiteten und unterstützten.