Oft gesucht:

"erfasst, verfolgt, vernichtet. - Kranke und behinderte Menschen im Nationalsozialismus"

Wanderausstellung vom 04.-30. September im Bürgersaal des Rathauses

Worum geht es bei der Ausstellung?

Bis zu 400.000 Menschen wurden zwischen 1933 und 1945 zwangssterilisiert, mehr als 200.000 wurden ermordet. Bei der Selektion der Patienten wurde der vermeintliche »Wert« des Menschen zum leitenden Gesichtspunkt. Ärzte, Pflegende und Funktionäre urteilten nach Maßgabe von »Heilbarkeit«, »Bildungsfähigkeit« oder »Arbeitsfähigkeit« über die ihnen Anvertrauten. Dabei fand die Ausgrenzung, Verfolgung und Vernichtung auffälliger, störender und kranker Menschen innerhalb des damaligen Anstalts- und Krankenhauswesens statt.

Die Wanderausstellung richtet sich gezielt an ein breites Publikum: Sie nimmt die Frage nach dem Wert des Lebens als Leitlinie und beschäftigt sich mit den gedanklichen und institutionellen Voraussetzungen der Morde, sie fasst das Geschehen von Ausgrenzung und Zwangssterilisationen bis hin zur Massenvernichtung zusammen, beschäftigt sich mit Opfern, Tätern, Tatbeteiligten und Opponenten und fragt schließlich nach der Auseinandersetzung mit dem Geschehen von 1945 bis heute.

Exemplarische Biografien ziehen sich durch die gesamte Ausstellung: In den Akten der Opfer werden die vielen verschiedenen Akteure fassbar, die an den Verbrechen beteiligt waren. Ihrem Blick auf Patienten werden deren eigene Äußerungen gegenübergestellt.

Den Schlusspunkt der Ausstellung bilden zahlreiche Stimmen, die das damalige Geschehen von heute aus reflektieren und sich aus unterschiedlichen Perspektiven der Frage stellen, welche Bedeutung es für sie persönlich hat: Ärzte, Politiker, Vertreter von Selbsthilfeverbänden, Angehörige von Opfern, Pflegepersonal, Vertreter der Gesundheitsverwaltung und andere.

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck entwickelte die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) in Kooperation mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Stiftung Topographie des Terrors eine Wanderausstellung, die jene Opfer ins Zentrum rückt, die lange am Rande des öffentlichen Interesses und Gedenkens standen.

Ausstellungseröffnung

Offiziell eröffnet wurde die Ausstellung "erfasst, verfolgt, vernichtet.", die vom Chefarzt Dr. Frank Helmig (Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der DIAKO) nach Flensburg geholt wurde, von der Flensburger Gesundheitsdezernentin Maria-Theresia-Schlütter, die in ihrer bewegenden Ansprache auch auf "unfassbar"e Flensburger Schicksale einging.  Flensburgs Kulturausschussvorsitzende Gabriele Stappert verlas ein Grußwort der Kieler Bildungsministerin Karin Prien. Ebenfalls beiteiligt  an der Eröffnungszermonie waren der Co-Initiator der Ausstellung, Aachener Professor Frank Schneider,   Flensburgs Stadtpräsident Hannes Fuhrig,  Claudia Erichsen (DIAKO) und Pastor Wolfgang Boten (Rektor der DIAKO), der ebenfalls ein paar bewegende Worte an die Gäste richtete. Moderiert wurde die Veranstaltung von SHZ-Journalistin Anette Symanczyk.

 

v.l.n.r.: Prof. Dr. Dr. Frank Schneider, Gabriele Stappert, Hannes Fuhrig, Maria-Theresia Schlütter,  Anette Symancyk, Claudia Erichsen, Wolfgang Boten, Dr. Frank Helmig