"Grundwasser lebt": Vom Grottenolm bis zur Schwammstadt

Autor/in: Antje Walther

Unterhalb der Stadt ruht ein Schatz. Das wissen nicht nur die Bierbrauer in Flensburg, sondern ahnen die meisten. Die Rede ist vom wertvollen und ergiebigen Grundwasserspeicher.

Neue Ausstellung kommt vom Senckenberg Museum aus Görlitz

„Grundwasser lebt“ heißt die neue Ausstellung im Naturwissenschaftlichen Museum. Sie ist vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz zu uns gewandert und kommt genau zur richtigen Zeit. Denn Studien lässt sich entnehmen, dass zu allem Überfluss zu allen Krisen eine tiefgreifende Wasserkrise auch in Deutschland hinzukommt.

So ist der Flensburger Grundwasserspeicher entstanden

Flensburg ist noch recht gut aufgestellt; dennoch kommt es auf vernünftiges und ressourcenschonendes Handeln an, damit das so bleibt. Der Grundwasserschatz hier beruht auf der buchstäblich bewegten Erdgeschichte dieser Region. Flensburg entstand auf einer tektonischen Störungszone. Deshalb befindet sich im Untergrund ein Relief aus steilen Salzmauern mit Tälern und Rinnen. In den Senken dieser Strukturen lagerten sich vor rund 15 Millionen Jahre mächtige Sandschichten ab. Die Poren zwischen den Sandkörnern haben sich über die Zeit mit Wasser gefüllt und bilden einen großen Grundwasserkörper in 100 bis 500 Metern Tiefe. Zusätzlich besitzt Flensburg zwei jüngere Grundwasserkörper, die auf die Eiszeiten zurückgehen und nicht ganz so tief liegen. Die meisten Brunnen im Stadtgebiet fördern ihr Wasser hieraus.

Seit Sonntag, 29. März, und bis zum 27. September ist die Ausstellung im Heinrich-Sauermann-Haus zu sehen. Oberbürgermeister Dr. Fabian, der zur Eröffnung sprach, kann den Besuch unbedingt empfehlen. Unter anderem zeige die Ausstellung, was in der Macht des Einzelnen stehe, um den Wasserschatz zu schonen, nachhaltig zu nutzen und zu bewahren.

Escape-Room und virtuelle Unterwasserfahrt

Gleich im ersten Raum der Schau lernen Besucher die Lebewesen in den Tiefen des Grundwassers kennen und treffen bei einer virtuellen Unterwasserfahrt womöglich auf Grottenolm und Helikoptermütter, wie die fürsorglichen Asseln hier genannt werden. Von ihnen und anderen Lebewesen gibt es possierliche Comiczeichnungen auf Kinderaugenhöhe. Alle Generationen sind eingeladen, das digitale Sammelspiel für Grundwassertiere, interaktive Stationen und den Escape-Room auszuprobieren sowie sich umfassendes Wissen ums Wasser über Schautafeln oder diverse Medien anzueignen.

Mitmachen bei Forschungsprojekt

Die Belastung mit chemischen Schadstoffen wie Nitrat, die Verschwendung und Verschmutzung, verstecktes Wasser in Konsumprodukten, Wassermangel und Grundwasserstress werden erklärt und beleuchtet – und warum vor allem die Versiegelung in den Städten und der Klimawandel die Neubildung von Grundwasser erschweren. Aber auch konstruktive Lösungsansätze wie die Schwammstadt stellt die Ausstellung gegenüber. Und wer durch Forschung (Citizen Science) selbst etwas für das Grundwasser tun möchte, kann sich an einem bürgerwissenschaftlichen Projekt beteiligen – einfach im Museum nachfragen.