„Alte Apotheke“ wird zum Trinkraum

In der Mitte thront ein uriger Tresen, rechts und links gesäumt von ebenso dunkelbraunen Regalen. Durch das Fenster über die lange Sitzbank hinweg fällt der Blick auf die Friesische Straße. Bis vor wenigen Jahren diente die „Alte Apotheke“ mit der Hausnummer 31 als Kneipe. Der Südermarkt ist nur wenige hundert Meter entfernt. Für diejenigen, die sich auf dem zentralen Marktplatz in der Flensburger Innenstadt bei Wind und Wetter mit oder ohne Bier treffen, soll das frühere Lokal eine geschützte Alternative bieten. Das Konzept „Trinkraum“ bewährt sich schon seit vielen Jahren in Kiel - es läuft so gut, dass nach der Eröffnung des ersten Raums im Jahr 2003 wenig später ein zweiter Trinkraum entstand.

Geplanter Start: Mitte Dezember

Bei einem Ortstermin in der „Alte Apotheke“ mit viel Medienpräsenz berichtete nun Jo Tein aus Kiel von den guten Erfahrungen mit dem Angebot, das ab Mitte Dezember in ähnlicher Form in Flensburg starten soll. Tein hat seinerzeit die Projekte in der Landeshauptstadt mitbegründet und ist im Vorstand des Vereins Hempels.

Den Trinkraum beschreibt Projektmanager Micha Gerundt als einen Baustein im Konzept, um die Aufenthaltsqualität auf dem Südermarkt für alle zu steigern. Neben ordnungspolitischen Instrumenten wie dem Kommunalen Ordnungsdienst und städtebaulichen Ideen zählen soziale Ansätze wie ein solcher Trinkraum als alternativer Begegnungsort zu den Maßnahmen. Nach intensiver Suche erwies sich die ehemalige Gaststätte schließlich als geeignetes Objekt. 

Die Stadt hat das frühere Lokal mit Kneipenraum, einer Teeküche, Toiletten und einem durch einen langen Flur separierten Raucherraum zunächst für zwei Jahre angemietet. Tagsüber zwischen 10 und 17 Uhr, so der Plan, seien erstmal alle willkommen, sagt Gerundt zur Ausgangssituation. Alkohol wird hier nicht ausgeschenkt. Erlaubt sind nur selbst mitgebrachte Getränke, alkoholische auch nur mit bis zu 15 Prozent Alkoholgehalt. Grundsätzlich nicht gestattet sind außerdem illegale Drogen und Waffen.

Der niedrigschwellige Zugang würde nicht bedeuten, dass hier keine Regeln gelten, betont Gerald Fust. Der Leiter der Wohnhilfen und Schuldnerberatung schätzt sich glücklich darüber, drei Beschäftigte für die Begleitung gefunden zu haben. Bewusst habe man keine Sicherheitsleute oder Sozialpädagogen ausgewählt, sondern Personen, die einen Draht zur Klientel haben und auf Augenhöhe agieren können. Von ihnen werden immer mindestens zwei im Trinkraum unterstützend zur Seite stehen. Die Beteiligten sind allesamt zuversichtlich, dass das Vorhaben nach dem Kieler Vorbild zur Entspannung der Lage auf dem Südermarkt beitragen wird, und zugleich bereit, im Prozess Anpassungen vorzunehmen, je nach Bedarf und Erfahrungswerten.