Beteiligung: Wie soll Flensburgs "Grünes Herz" flottgemacht werden?

Rund 8 Mio € für die Aufwertung der Grünanlagen Museumsberg, Alter Friedhof und Christiansenpark in Innenstadtnähe - Wie sollen sie investiert werden?

"Mini-Golf", "Planten un Blomen", "Stadtgeschichte erleben", "Fahrstuhl von der Innenstadt den Berg hinauf"? Wenn es darum geht, Flensburgs Grünes Herz, die so genannten "Christiansens Gärten" in unmittelbarer Innenstadtnähe,  mit rund 8 Mio Euro flott zu machen, möchte die Stadtplanung natürlich wissen, was die Flensburgerinnen und Flensburg für Ideen und Wünschen haben.

Alle Einwohner*innen sind daher herzlich eingeladen, ihre Meinungen im Beteiligungsmobil der Stadt Flensburg zu äußern. Dieses Steht auf dem Museumsberg auf dem Fußweg zwischen Reepschlägerbahn und Sauermannhaus.

Drei Gelegenheiten gibt es hierfür: 

  • Donnerstag, 23. Mai 12-17 Uhr
  • Freitag, 24. Mai 10-17 Uhr und am 
  • Samstag, 25. Mai 10-15 Uhr

Über möglichst rege Beteiligung freuen sich die Stadt- und Landschaftsplaner*innen.

Ein großer Schritt für die Verwirklichung des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts

Flensburg flott machen lautet ein übergeordnetes Ziel des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) "Perspektiven für Flensburg".

Mit den Zusagen für Fördergelder i.H.v. 3,2 Mio aus dem Programm "Nationale Projekte des Städtebaus" und i.H.v. 4 Mio Euro aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung (ERFE) sowie einem 10%-igen Eigenanteil i.H.v 0,8 Mio Euro kann die Stadt einen großen Schritt gehen, um sich diesem Ziel zu nähern. Denn die Aufwertung der historischen Parkanlagen des Christiansenparks, des Alten Friedhofs und des Museumsbergs wurde es kürzlich als Schlüsselmaßnahme im ISEK festgeschrieben. Diesen Schritt möchten Stadtverwaltung und Politik jedoch nicht allein gehen, sondern möglichst viele Einwohner*innen beteiligen, wenn es darum geht, wie die 8 Mio Euro hier bestmöglich investiert wären.  Ob das Projekt tatsächlich realisiert wird, muss die Ratsversammlung im Spätsommer entscheiden. Grundlage der Entscheidung wird eine Planung sein, die im Augenblick durch das Büro WES Landschaftsarchitektur, Hamburg, erarbeitet wird. In die Planung sollen die Einwohner*innen von Anfang an einbezogen werden, ebenso wie die fachlichen Aspekte einer Vielzahl von Behörden, Institutionen, Verbänden und Vereinen. Das Projekt ist auf eine Umsetzung der Maßnahmen bis zum Jahr 2023 ausgelegt. Mit ersten Schritten soll bereits 2020, dem Jubiläumsjahr der Abstimmung zur deutsch-dänischen Grenze, begonnen werden.

Geschichte des Gebiets "Christiansens Gärten"

Das Projektgebiet „Christiansens Gärten“ umfasst das Gebiet auf der Westlichen Höhe, in dem seit dem späten 18. Jahrhundert bürgerliche Landschaftsgärten Flensburger Großkaufleute entstanden. 1797 erwarb der Großkaufmann Peter Clausen Stuhr eine Windmühle mit Ländereien und einem 1752 errichteten Wohnhaus – dem heutigen Katharinen-Hospiz. Nach dem Konkurs von Stuhr (1820) erwarb Andreas Christiansen II, der bereits westlich seines Anwesens am Holm ein Parkgelände besaß, die Stuhrschen Flächen hinzu. Der Landschaftspark von Andreas Christiansen – Christiansens Gärten - umfasste nahezu die gesamte Fläche zwischen dem heutigen Mühlenfriedhof und dem Südergraben, zwischen der Mühlenstraße und der heutigen Straße An der Reitbahn. Die mit einem originalen phönizischen Sarkophag aus dem 4. Jh. v. Chr. ausgestattete Grotte und die Spiegelgrotte sind einzigartige kulturhistorische Besonderheiten des Parks.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf Initiative des dänischen Königs ein kommunaler Friedhof außerhalb der eng bebauten Altstadt angelegt werden sollte, hat sich Christiansen dafür eingesetzt, dass dieser in seinen Landschaftsgarten integriert wurde. Der 1813 in der Grundform eines antiken Sarkophags gestaltete Friedhof ist heute ein einzigartiges Kulturdenkmal mit Denkmälern von nationaler Bedeutung – die Friedhofskapelle als Hauptwerk des nordischen Klassizismus von Architekt Axel Bundsen, das gusseiserne Christiansen-Grabmal als einziges im Original erhaltenes Großgrabmal von Karl-Friedrich Schinkel. Neben der Vielzahl der Grabmale von künstlerischer und stadtgeschichtlicher Bedeutung erinnert der Alter Friedhof mit seinen Kriegsgräbern an die Auseinandersetzungen im 19. Jahrhundert und an die deutsch-dänische Geschichte. Der 2011 als Zeichen von Freundschaft und Vertrauen zwischen Dänen und Deutschen wieder aufgestellte Idstedt-Löwe bildet einen besonderen Anziehungspunkt.

Eine weitere Veränderung erfuhr das Gelände der vormaligen Christiansens Gärten durch den Bau des Kunstgewerbemuseums zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Kulturtouristisches Potential wenig genutzt

Das auf dem Grundstock der Sammlungen von Heinrich Sauermann aufbauende Museum ist heute der zentrale Ort für die Kunst und Kultur des ehemaligen Herzogtums Schleswig. Der bedeutendste bürgerliche Landschaftsgarten des Landes mit dem einbezogenen Alten Friedhof einerseits und der Museumsberg mit der umfangreichen kunst- und kulturgeschichtlichen Sammlung ist ein ebenbürtiges Gegenstück zu dem feudalen Fürstengarten und den Sammlungen in Schloss Gottorf.

Gleichwohl ist das damit verbundene kulturtouristische Potential bis heute kaum genutzt. Die Geschichte und Bedeutung des Christiansenparks, des Alten Friedhofs und des Museumsbergs wird Einheimischen wie BesucherInnen nicht ausreichend deutlich. Die Erreichbarkeit ist nicht zuletzt aufgrund der Topographie deutlich erschwert. Trennwirkungen durch Straßen, eine fehlende Vernetzung von fußläufigen Verbindungen, gestalterische Defizite, erhebliche Mängel an denkmalgeschützten Grabanlagen des Alten Friedhofs, fehlende Zugänglichkeit von Kulturdenkmalen, fehlende Informations- und Leitsysteme  sowie touristische Angebote (Gastronomie) sind einige der Probleme, unter denen das Areal leidet und die Nutzung für Naherholung und Tourismus erschwert. Das Projekt soll diese Defizite beseitigen und das Gesamtareal sowohl für EinwohnerInnen als auch für BesucherInnen aufwerten. Die Planungen werden sich dabei immer an dem hohen Wert der Anlagen in kulturhistorischer in naturschutzrechtlicher Sicht orientieren müssen: Große Teile des Projektgeländes sind nicht nur als historische Gartenanlage geschützt, sondern es befinden sich dort viele Kulturdenkmäler und sowohl der Hang des Museumsberges als auch große Teil des Christiansenparks sind geschützte Naturdenkmäler. Hier besteht die Chance, im Zusammenwirken mit dem dort arbeitenden Naturwissenschaftlichen Museum auch die Qualität des geschützten Naturraums Christiansens Gärten zu stärken.