Klimaschutz

Die Flensburger Klimaschutzstrategie

Die Flensburger Klimaschutzstrategie – Der Weg zur CO2-Neutralität im Jahr 2050

Wie das Ziel des Klimapakt Flensburg e.V. erreicht werden kann, Flensburg bis zum Jahr 2050 CO2-neutral zu machen, wird durch die lokale Klimaschutzstrategie dargestellt. Diese Strategie wurde erstmals im Jahr 2011 im Rahmen der Erstellung des integrierten Klimaschutzkonzepts erarbeitet und im Jahr 2012 im Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz vertieft und erweitert.

Bei der Entwicklung der Strategie durch die Europa-Universität Flensburg war es von großer Bedeutung, dass möglichst viele Einwohner*innen und Expert*innen mit beteiligt wurden. Diese Beteiligung erfolgte im Rahmen von 16 Workshops, an denen ca. 200 Personen aus ca. 50 Organisationen und Unternehmen teilgenommen haben. Die Klimaschutzstrategie zeigt auf, welche Maßnahmen in den Sektoren Haushalte, Mobilität, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen, Industrie sowie Energieversorgung umgesetzt werden müssen, um den Energieverbrauch und den Treibhausgasausstoß in der Stadt zu reduzieren. In Form eines detaillierten Handlungsplanes zeigt das Konzept auf, wer (welche Akteure oder Bevölkerungsgruppen?) wann (zu welchem Zeitpunkt bis zum Jahr 2050?) wie (durch die Umsetzung welcher Maßnahmen?) zur Zielerreichung beitragen kann.

Da sich die Rahmenbedingungen für den Klimaschutz und wichtige Maßnahmen laufend verändern, wird die Klimaschutzstrategie in regelmäßigen Abständen an die aktuellen Entwicklungen angepasst (z.B. geänderte gesetzliche Rahmenbedingungen oder die Preisentwicklung wichtiger Energieträger).

Die wichtigsten Maßnahmen

Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die wichtigsten Maßnahmen zur Erreichung der CO2-Neutralität im Jahr 2050 und die bei deren Umsetzung zu erwartende Einsparung:

Maßnahmen Einsparung/Wirkung
Energieversorgung: Ersatz alter Kessel und kontinuierliche Steigerung des Anteils CO2-neutraler Brennstoffe von ca. 550.000 t CO2
Haushalte: Steigerung der Sanierungseffizienz und Anhebung der Sanierungsrate von 40 % des Fernwärmebedarfs der Haushalte
Haushalte: Ersatz ineffizienter Altgeräte durch energiesparende Neugeräte von 45 % des Strombedarfs der Haushalte
Industrie: Energieeffizienzmaßnahmen und Verbrauchsreduzierungen von 10 % des Strombedarfs, Halten des Status-Quo beim Wärmebedarf
Gewerbe, Handel & Dienstleistungen: Energieeffizienzmaßnahmen und Verbrauchsreduzierungen von 30 % des Strombedarfs und 25 % des Fernwärmebedarfs in diesem Bereich
Öffentliche Liegenschaften: Energetische Gebäudesanierung und Mitarbeiterfortbildungen von 25-35 % des Fernwärmebedarfs der öffentlichen Liegenschaften
Individualverkehr: Betrieb eines Carsharing-Angebotes Vermeidung unnötiger Autofahrten bei verstärkter Nutzung von Rad, Bus und Bahn
Individualverkehr: Elektro-Autos mit Strom aus erneuerbaren Energien von ca. 62 % des Energiebedarfs der Fahrzeuge
ÖPNV: Einführung von Elektrobussen mit Strom aus erneuerbaren Energien von 100 % der CO2-Emissionen in diesem Bereich
ÖPNV: Umsetzung der anspruchsvollen Ziele des Regionalen Nahverkehrsplanes Verdoppelung des ÖPNV-Anteils an der Verkehrsmittelwahl (innerorts)
Mobilität: Umsetzung des Rahmenkonzeptes zur Radverkehrsförderung Steigerung des Radverkehrsanteils an der Verkehrsmittelwahl auf 25 % (innerorts)
Öffentlichkeitsarbeit: Fortsetzung der bisherigen Arbeiten des Klimapaktes; Stadtmarketing für CO2-Neutralität Notwendigkeit zur Einbindung aller Flensburgerinnen und Flensburger

Der Weg zur CO2-Neutralität

Bei Umsetzung der insgesamt ca. 100 identifizierten Maßnahmen können die CO2-Emissionen aller Sektoren schrittweise reduziert werden. Die Ziele des Klimapakt Flensburg können also erreicht werden, wenn alle Akteure bei der Umsetzung des integrierten Klimaschutzkonzepts aktiv werden.

 

Integriertes Klimaschutzkonzept

Masterplan 100% Klimaschutz

 

Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“

Im Rahmen des Projekts „Masterplan 100 % Klimaschutz“ fördert das Bundesumweltministerium bundesweit ca. 40 Kommunen bei der ganzheitlichen Entwicklung und Umsetzung von Strategien für den lokalen Klimaschutz. Seit dem Jahr 2012 ist die Stadt Flensburg eine dieser Masterplan-Kommunen, der eine wichtige Vorbildwirkung zu Teil wird. In einem Netzwerk mit anderen ambitionierten Kommunen werden regelmäßig Erfahrungen und Erkenntnisse weitergegeben. Seit dem Jahr 2012 im Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ vertreten sind die folgenden Kommunen:

Stadt Frankfurt/Main, Region & Stadt Hannover, Stadt Kempten, Kreis Steinfurt, Stadt Herten, Stadt Rheine, Stadt Bensheim, Landkreis Osnabrück, Stadt Osnabrück, Stadt Neumarkt i.d. Oberpfalz, Stadt Sankt Ingbert, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Burbach, Hansestadt Rostock, Stadt Göttingen, Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn, Stadt Heidelberg.

Im Juli 2016 konnte dann nach einer erfolgreichen Antragstellung für eine Anschlussförderung das laufende Vorhaben für weitere 2 Jahre fortgesetzt werden. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Stärkung des zivilgesellschaftlichen Prozesses bei der Umsetzung des Masterplans.

Seit dem Jahr 2016 ist die Stadt Flensburg außerdem Teil einer Modellregion im Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz“ zusammen mit 34 Städten und Gemeinden des ersten und zweiten Siedlungsrings der Region Flensburg. Diese Konstellation der Verankerung von Klimaschutz in einer Stadt-Umland-Kooperation mit der gemeinsamen Zielsetzung der CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 ist bundesweit einmalig und vorbildlich für andere Oberzentren darstellen. Hier finden Sie Informationen zum Projekt „Masterplan 100 % Klimaschutz in der Region Flensburg".

Während der Projektlaufzeit des Anschlussvorhabens vom 01.07.2016 - 30.06.2018 wird das Projekt vom Bundesumweltministerium gefördert.

Titel: Flensburg auf Klimakurs: Anschlussvorhaben Masterplan 100% Klimaschutz

Förderkennzeichen: 03KSP016-1

Weitere Informationen zum Förderprogramm: Nationale Klimaschutzinitiative bzw. Projektträger Jülich

Integriertes Energetisches Quartierskonzept "Auf der Rude"

Quartierskonzept Luftbild Rude   Vor dem Hintergrund des Klimapakt Flensburg e.V. hat die Stadt Flensburg Mittel aus dem Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“ der KfW beantragt und erhalten, um im Jahr 2013 ein integriertes Quartierskonzept erstellen zu lassen. Das Quartier „Auf der Rude“ wurde intensiv untersucht und eine detaillierte Ausgangsanalyse durchgeführt. Auf Basis der resultierenden Energie- und CO2-Bilanz wurden Vorschläge für Klimaschutzmaßnahmen für die Bereiche Haushalte/Immobilien, Gewerbe und Verkehr entwickelt (Industriebetriebe gibt es dort nicht). Im Unterschied zum primären Fokus des Förderprogramms und vor dem Hintergrund der bereits umfangreichen Vorarbeiten aus dem gesamtstädtischen Klimaschutzkonzept wird das Thema Quartierssanierung weiter gefasst und auch der Gewerbe- und Verkehrssektor mit einbezogen. Über einen Beteiligungsprozess wurden alle relevanten Akteure (z.B. BewohnerInnen, EigentümerInnen, Stadtwerke etc.) an der Konzepterstellung beteiligt. Im Anschluss an die Konzepterstellung wird ein Sanierungsmanagement die Umsetzung 3 Jahre lang begleiten.

Die übergeordnete Zielsetzung der CO2-Neutralität gibt auch für die Rude den Maßstab vor. Die im Klimaschutzkonzept festgelegten Globalziele für die einzelnen Bereiche können auf die Rude herunter gebrochen werden. Der Vorteil der kleinräumigeren Betrachtung liegt darin, die z.T. recht allgemeinen Ziele mit den lokalen Akteuren abzustimmen und ein umsetzungsorientiertes Detailkonzept zu erarbeiten. Aus den Erkenntnissen des Prozesses zur Konzepterstellung lassen sich Erfolgsfaktoren und Hindernisse ableiten, die sich auf weitere Quartiere übertragen lassen.
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