Grenzpendler
Zwei Länder, ein regionaler Arbeitsmarkt
Der Arbeitsmarkt im deutsch-dänischen Grenzgebiet ist seit je her durch grosse konjunkturelle Unterschiede gekennzeichnet. Läuft der Beschäftigungsmotor in einem Land auf Hochtouren, ist es oftmals im anderen Land sehr ruhig. Daher gibt es stets Arbeitnehmer, die im Nachbarland Arbeit suchen und finden. Derzeit steigt die Zahl der in Deutschland wohnenden Arbeitnehmer, die in Dänemark arbeiten, deutlich an. Im Jahr 2003 waren es rund 1.700, heute rechnet man mit ca. 4.000 in der Region Sønderjylland-Schleswig und bis zu 12.000 in ganz Dänemark. Gleichzeitig geht man von rund 1.000 in Dänemark wohnenden Arbeitnehmern aus, die als Pendler in Deutschland arbeiten.
Der Begriff Grenzpendler wird heute synonym mit dem Ausdruck Grenzgänger verwandt. Diese Unterscheidung hatte früher eine steuerrechtliche Bedeutung, die jedoch heute nicht mehr beachtet wird. Nach den geltenden Regeln ist ein Grenzpendler ein Arbeitnehmer, der mindestens einmal pro Woche aus dem Arbeitsland in sein Wohnland zurückkehrt. Hier behält er seinen Lebensmittelpunkt bei und ist daher durch besondere europäische Gesetzgebung sozial abgesichert.
Mittlerweile werden eine Vielzahl von Arbeitsformen praktiziert, jedoch auch ohne sich über die rechtlichen Konsequenzen im Klaren zu sein: zum Beispiel Arbeit in beiden Ländern im gleichen Zeitraum, Arbeit in Drittländern oder Saison- oder Schichtarbeit.
Trotz europäischer Vorschriften zur sozialen Sicherung existieren verschiedene Barrieren, die Arbeitnehmern Probleme bereiten: mangelnde Sprachkenntnisse, keine Kenntnisse des anderen Arbeitsmarktes sowie fehelnde Kenntnisse des sozialen Sicherungs- und Steuersystems sind hier nur beispielhaft zu nennen. Auch wenn die harten Barrieren durch gesetzliche Regelungen abgeschafft sind, stehen die weichen Hindernisse, wie zum Beispiel die genannten Informationsprobleme, einem freien regionalen Arbeitsmarkt noch hinderlich entgegen.
Anlässlich des 50. Jahrestages der Bonn-Kopenhagener Erklärungen haben sich der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und Staatsminister Anders Fogh Rasmussen auf die Einsetzung einer interministeriellen Arbeitsgruppe geeinigt, die vorhandene Probleme der Grenzpendler beleuchten und Abhilfe schaffen soll. Unter der Leitung von Staatssekre-tär Franz Thönnes und dem Abgeordneten Kim Andersen wurde im Februar 2006 der Abschlussbericht vorgelegt, der derzeit zur Evaluierung ansteht.
In der Region Sønderjylland-Schleswig haben Grenzpendler verschiedene Möglichkeiten, sich zu informieren, beraten und vermitteln zu lassen. Es gibt Beratung in Steuer- und Sozialversicherungsfragen sowie eine Verwaltungspraxis, die sich auf grenzüberschreitende Fragen eingestellt hat. Hier sind die wichtigsten Akteure das Infocenter Grenze im Regionskontor Sønderjylland-Schleswig, Eures, die Jobcenter sowie die Agentur für Arbeit und Gramark.
Die zentrale Eingangsberatung für alle Interessierten wird durch das Infocenter Grenze im Regionskontor Sønderjylland-Schleswig, einem bis Juli 2007 durch das Interreg III A gefördertem Projekt, kostenlos angeboten. Neben der Beratung in steuerlichen Fragen und in Fragen zur sozialen Sicherung kann man hier alle notwendigen Informationen zu den kompetenten Akteuren erhalten. Das Infocenter versteht sich als Teil eines Netzwerkes von Serviceeinrichtungen, die die Freizügigkeit der Arbeitnehmer fördern.
Darüber hinaus haben Grenzpendler zwei Interessenvertretungen. Die Interessen der in Deutschland wohnenden Arbeitnehmer wird vom Verein Grenzgänger wahrgenommen, die in Dänemark lebenden Arbeitnehmer werden durch den Verein Europäischer Grenzpendler betreut.
Aufgrund der teilweise komplexen rechtlichen Situation von Grenzpendlern ist es dringend anzuraten, sich vor Beschäftigungsaufnahme im anderen Land über die wichtigsten Fragen zu Arbeitsrecht, Steuer- und Sozialversicherunsgrecht beraten zu lassen.
Pendeln ohne Grenzen
Ab sofort bietet das erste zweisprachige, grenzüberschreitende Pendlerportal www.pendlerplus.com für regelmäßige Berufspendler oder "Einmalfahrer" zwischen Deutschland und Dänemark die Möglichkeit, sich einfach, schnell und vor allem kostenlos Mitfahrgelegenheiten zu suchen oder diese anzubieten. Die Nutzer des Portals können neben Angaben zum Start-/Zielort und Uhrzeiten auch Vorlieben wie "Langsamfahrer" oder "Nichtraucher" angeben. Ziel des Pendlerportals ist es, durch Fahrgemeinschaften die Umwelt zu entlasten, den Individualverkehr zu verringern sowie die Kosten für Berufspendler zu reduzieren. Natürlich vermittelt www.pendlerplus.com auch Verbindungen innerhalb des Landes-teils Schleswig bzw. der Region Süddänemark.
Erfahren Sie mehr unter www.pendlerplus.com...
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