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Hintergrund

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Stärken und Schwächen bzw. Chancen und Risiken Flensburgs bei mittelfristiger Betrachtungsweise und Ableitung der Strategischen Handlungsfelder (inkl. Anlagen).

1. Bevölkerungsentwicklung, Bevölkerungsaufbau

Flensburgs Wohn- und Lebensqualität steht im Widerspruch zu den bisherigen Abwanderungstendenzen in das Umland. Durch Maßnahmen, zu denen es bereits Zielvereinbarungen mit dem Rat gibt, sollen sie kompensiert werden. Bei hoher Aufmerksamkeit auf die Entwicklung neuer attraktiver Einfamilienhausquartiere und entsprechender Zubauten im Rahmen der Flächenrevitalisierung dürfen Maßnahmen zur Sicherung oder Steigerung der Attraktivität vorhandener Wohnviertel nicht außer Betracht bleiben. Weitgehend intakte Viertel können durch Verstärkung von (Neben-) Zentren gesichert werden. Aber Nordstadt und Hafermarktviertel drohen zu hohen Belastungen zu werden, wenn sie nicht saniert bzw. aufgewertet werden.

Der durch Abwanderung verursachte Bevölkerungsrückgang stellt eines der größten Risiken im Rahmen der Stadtentwicklung dar, sowohl hinsichtlich der stadtwirtschaftlichen Situation (hohe Einnahmeverluste bei Einwohnerrückgang) wie hinsichtlich der sozialen Struktur (soziale Segregation). Die Stadtbevölkerung wird allerdings auch bei voller Kompensation von Abwanderung aufgrund der Alterspyramide sinken. Der Verlust kann aber sehr viel geringer sein als die Bevölkerungsprognose des Landes unterstellt, die ein Anhalten des Abwanderungstrends der Vergangenheit unterstellt. Der zunehmende Anteil der älteren Bevölkerung wird Auswirkungen auf die Wohnungsnachfrage und die Nachfrage nach Freizeitangeboten haben.

Wohn- und Lebensqualität hängen auch von psychologischen Faktoren (Image) ab. Imagefaktoren wie Sauberkeit der öffentlichen Flächen und Sicherheit müssen noch stärker beachtet werden.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Zukunftsgerichtete Entwicklung von Wohnungsstruktur, Wohnqualität und sozialem Umfeld.

 

2. Innenstadt mit sehr guten Voraussetzungen für maritim geprägte Freizeit- und Tourismuswirtschaft

Flensburgs Lage am Wasser, genauer das Hereinragen der Hafenspitze bis in das Zentrum, die erhaltene historische und maßstäbliche Bebauung in der Altstadt, das umfassende Einzelhandels- und Dienstleistungsangebot in einer noch überschaubaren Stadt, die international bekannten günstigen Segelreviere vor der Tür sind fast einmalige Voraussetzungen für maritime Freizeit- und Tourismuswirtschaft. Diese Chancen sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Gleichzeitig bietet die Hafenostseite – auch unter Berücksichtigung des nicht mehr entwicklungsfähigen Handelsumschlags – Chancen für die Entwicklung attraktiver Büro- und Wohnflächen, wie sie in anderen Städten (z. B. Kaicity Kiel oder Hafencity Hamburg) mit großem Erfolg vermarktet werden.

Die Innenstadt bietet alle Voraussetzungen für zukunftsgerichteten Einzelhandel im Sinne eines Einkaufserlebnisses in Verknüpfung mit modernem Freizeitangebot. Diese Chancen, die gleichzeitig wie im Tourismus eine Imageaufwertung der Stadt bedeuten, können gesichert und ausgebaut werden, wenn die peripheren Einkaufszentren in ihrem weiteren Wachstum gebremst und Standorte für Freizeitwirtschaft sowie mittelgroße Betriebsformen des Einzelhandels möglichst an die Innenstadt angebunden werden.

Flensburgs Image als Einzelhandelsstandort litt zumindest in der Vergangenheit unter der angeblichen Knappheit und den Kosten von Parkplätzen, den angeblichen Verkehrsstaus und der angeblich überproportionalen Ausstellung von Verkehrsordnungswidrigkeiten. Dagegen wird weiter mit objektiven und Image-Maßnahmen anzugehen sein.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Innenstadt, Tourismus, Infrastruktur.

 

3. Arbeitsmarkt und Wirtschaftsstruktur

Flensburg hat eine fast doppelt so hohe Arbeitslosenquote wie der benachbarte Kreis, obwohl in Flensburg auf 2,2 Einwohner, im Kreis auf 4,6 Einwohner ein sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz fällt. Die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen ist deshalb in Flensburg auch aus Sicht der Bevölkerung eines der wichtigsten oder das wichtigste Thema.

Flensburg ist größter Industriestandort Schleswig-Holsteins. Flensburgs Arbeitsplätze liegen also überproportional in exportabhängiger, gewerblicher Produktion. In diesem Bereich hängen zudem viele Arbeitsplätze von wenigen großen konzernabhängigen Gesellschaften (Motorola, Danfoss, Krones etc.) ab. Risikobegrenzungsstrategien können darin liegen, durch weitere Ansiedlung von Zulieferern Standortvorteile und Standortvernetzung zu erreichen und gleichzeitig Zuliefererbetrieben bei Diversifizierungsstrategien zu unterstützen.

Im übrigen muss eine ausgeglichenere (moderne) Wirtschaftsstruktur angestrebt werden, indem der Anteil von Dienstleistungsunternehmen verstärkt wird.

IT-Branchen und allgemeine IT-Anwendungen in Unternehmen können die häufig beklagte Randlage Flensburgs kompensieren. IT-Branchen lassen sich allerdings nur im Rahmen eines ausreichend dichten Netzes von Avantgarde-Unternehmen und fortschrittlichen Dienstleistungsunternehmen sowie Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten dauerhaft halten und entwickeln. Ein differenziertes, hochwertiges berufliches Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebot gehört heute zu den wichtigen Eigenschaften eines attraktiven Wirtschaftsstandortes.

Unternehmen mit städtischer Beteiligung spielen für Wirtschaftskraft, Versorgung, Arbeitsplatzangebote in unserer Stadt eine nicht unerhebliche Rolle. Ihre strategische Ausrichtung im Rahmen sich verschärfender Wettbewerbssituation muss so erfolgen, dass sie neben einer sicheren Versorgung der in Flensburg ansässigen Bürgerinnen und Bürger eine branchenübliche Verzinsung des eingesetzten Kapitals erreichen und den Kommunalhaushalt entlasten statt zu belasten. Nur so können sie langfristig im Eigentum bzw. der Gewährträgerschaft der Stadt verbleiben.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Arbeitsplätze und Wirtschaftsentwicklung.

 

4. Hochschulen als Standortrisiko und Standortchance

Im Rahmen des globalen Bildungswettbewerbs werden unsere zwei Hochschulen mit insgesamt 5.000 Studierenden auf Dauer nicht wahrgenommen. Das Überleben hängt von weiterem Wachstum ab. Aktivitäten der Stadt müssen entscheidend zum Wachstum beitragen. Möglichkeiten sind: Attraktivitätssteigerung auf dem Campus, Erreichbarkeit des Campus durch Verbesserung der innerstädtischen Zugangsmöglichkeiten per Auto, ÖPNV, Fahrrad und zu Fuß, Aufwertung der Stadtviertel zwischen Campus und Innenstadt im Sinne studentisch geprägter Hochschulviertel, Integration eines Hochschulmarketings in ein Stadtmarketing und Verbesserung der Möglichkeiten des Wissens- und Technologietransfers mit Impulsen für den Arbeitsmarkt. In drei von vier Branchen, deren Ausbau die Landesregierung/das Wirtschaftsministerium besonders fördern, haben Flensburger Hochschulen gute Kompetenzen. Die Weiterentwicklung der Hochschulen kann insoweit direkte und indirekte Impulse auf den Arbeitsmarkt und die Stadtentwicklung haben.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Hochschul- und Weiterbildungsstandort.

 

5. Zukunftschancen für die Jugend

Flensburg bietet im Kindergartenbereich und im schulischen Bereich einen außerordentlich differenziertes Angebot und ein breites Angebot im Lehrstellenbereich und an Studienmöglichkeiten. Die beruflichen Chancen von Jugendlichen können durch verstärkte Berufsorientierung in den Schulen verbessert werden. Benachteiligungen bei Kindern und Jugendlichen müssen zielgerichtet und zielgruppenorientiert angegangen werden. Dieses ist in Zusammenarbeit mit Kindertagesstätten (Elternberatung, -training) und den Schulen (Schulsozialarbeit z. B. Nachmittagsangebote an Hauptschulen) und mobile Angebotsformen wie Streetwork als lokales Frühwarnsystem am besten zu erreichen. Geht man davon aus, dass aus Armut eine zunehmende Ausgrenzung von Jugendlichen resultiert und dass soziale und materielle Armut eine Ursache ist für abnehmende Erziehungskompetenz, so kommt der Stärkung dieser Kompetenz durch geeignete Angebote zur Erziehungsberatung und zum Elterntraining eine besondere Bedeutung zu.

Hilfestellungen und Beratungsangebote von Stadt und in Trägerschaft Dritter können durch räumlich Konzentration in wesentlich effektiveren lokalen Netzen arbeiten.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Zielgerichtete Kinder- und Jugendförderung.

 

6. Hohe und steigende soziale Lasten im kommunalen Haushalt

Flensburg wendet 50 % seiner allgemeinen (Steuer-)Einnahmen netto für Sozialhilfe und Jugendhilfe auf, damit deutlich mehr als jegliche andere kreisfreie Stadt in Schleswig-Holstein. Pro Einwohner wurde 1999 ohne den 39%igen Anteil des Landes 1.172 DM Sozialhilfe aufgewendet (Landesdurchschnitt = 628 DM, Durchschnitt der kreisfreien Städte = 1.063 DM, Durchschnitt bei den Kreisen = 498 DM).

In der Hilfe zum Lebensunterhalt ist die Höhe der Aufwendungen nicht durch überdurchschnittliche Ausgaben je Fall bzw. Hilfeempfänger begründet, sondern spiegelt sich in den Empfängerzahlen wieder. Flensburg hat mit einer Sozialhilfequote von 9,2 % die höchste Quote in Schleswig-Holstein, obwohl Flensburg im Verhältnis zu den Sozialhilfefallzahlen mehr als jede andere Stadt in SH für Hilfe zur Arbeit aufwendet. Die Fallzahlenrückgänge trotz weiterer Zuwanderung von Sozialhilfeempfängern seit 1998 sind vor allem auf Intensivierung von Auswegberatung und der Hilfe zur Arbeit zurückzuführen. Flensburg ist stadtwirtschaftlich darauf angewiesen, den Anteil der Aufwendungen für diesen Sektor weiter zu senken. Durch Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ist weiterhin eine aktive Beschäftigungspolitik zu betreiben.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Zielgruppenorientierte und effiziente Gestaltung des sozialen Hilfesystems.

 

7. Identität und regionale Zusammenarbeit

Flensburgs Bedeutung als Stadt der zwei Kulturen ist allgemein unumstritten. Aus dem Nebeneinander der dänischen Minderheit und deutschen Mehrheit ist häufig ein Miteinander geworden. Dadurch ist das Flensburger Kulturleben sehr vielfältig und reichhaltig, sind die Möglichkeiten der Brückenfunktion zum skandinavischen Raum grundsätzlich größer geworden. Die Möglichkeiten der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verbessern sich. Diese wie auch die Zusammenarbeit mit dem Kreis sind für die Region im Rahmen globalen Wettbewerbs zunehmend wichtig. Die Stadt hat sich an weitergehenden Kooperationen, insbesondere Ostseekooperationen, bislang wenig beteiligt. Es erscheint notwendig, im Rahmen eines Gesamtkonzepts von städtischer Identitätsfindung und Stadtmarketing auch Strategie und Programmatik für die regionale und überregionale Zusammenarbeit weiterzuentwickeln.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Identität der Stadt im Rahmen regionalen Denkens.

 

8. Haushaltsbegrenzung

Der Stadthaushalt konnte in den vergangenen Jahren immer nur knapp ausgeglichen gehalten werden, d.h. sämtliche eigenfinanzierte Investitionen werden durch Neuaufnahme von Krediten finanziert. Die Haushalts-Begrenzung verbietet alle Strategien, die auf eine Fortsetzung bisheriger Politik nur mit höheren Geldmitteln ausgerichtet ist.

Zuständigkeiten und verantwortliches Handeln sowie Bürgerservice und Bürgernähe sind weiterhin optimierbar.

Daraus leitet sich folgendes Strategisches Handlungsfeld ab:

Optimierung des Verwaltungshandelns, der Stadtfinanzen und der Stadtwirtschaft.


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