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Ein Bahnhofviertel für alle Lebenswelten!

Die Stadt Flensburg plant mit dem Sanierungsgebiet „Südstadt: Bahnhofsumfeld“, das vorhandene innenstadtnahe Quartier städtebaulich aufzuwerten und zu einem attraktiven Wohn- und Lebensstandort weiter zu entwickeln.

Im Gebiet lassen sich insgesamt ca. 700 neue Wohneinheiten realisieren, allein ca. 400 Wohneinheiten auf den mehr als 10 ha umfassenden Brachflächen des Bahnhofstals. Weitere Handlungsfelder im Bahnhofsumfeld sind die Verkehrserschließung, die Aufwertung der Gewerbesituation, Denkmalschutz und die Grünräume.

Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Stadtentwicklung und der Gleichstellungsausschuss haben im Sommer 2013 beschlossen, sich bei diesem Planungsvorhaben mit Gender – Diversity* vertiefend zu befassen.

Lebenswelten erfahren, um sie zu verstehen: Workshop mit interaktivem Rundgang Um sich fachliches Know-How anzueignen, wurde die Referentin Christiane Droste von UrbanPlus aus Berlin zu einem Workshop im Dezember 2013 nach Flensburg eingeladen. Frau Droste gab in einem abwechslungsreichen Vortrag interessante Impulse und entzauberte die komplizierten Begrifflichkeiten anhand von lebendigen Beispielen aus Berlin und Wien.

Highlight des Workshops war der Rundgang durch das Bahnhofsumfeld vom Bahnhof zum Rathaus. Bei dieser Übung ging es um die Sensibilisierung der Teilnehmenden mit dem Ziel eines Perspektivwechsels. So konnte man versuchen, anhand von konstruierten Handicaps mit Hilfe von Sehbehinderungsbrillen, Gehhilfen und Rollstuhl sich auf eine andere Ausgangssituationen und Wahrnehmung einzulassen. Die vielfältigen Eindrücke und Erkenntnisse wurden anschließend ausgetauscht und für die Bearbeitung im weiteren Planungsprozess schriftlich und grafisch festgehalten.

Umsetzung von Gender-Diversity bei den Planungen im Bahnhofsviertel

Der Planungs- und Sanierungsprozess Südstadt: Das Bahnhofsumfeld wird die städtische Verwaltung und den Flensburger Rat bestimmt ein Jahrzehnt beschäftigen. Wie in allen öffentlichen Planungsvorhaben spielt in diesem Prozess die Meinung der Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Mit dem Anspruch von Gender-Diversity ist eine breit angelegte Beteiligung in diesem Prozess von besonders großer Bedeutung und Relevanz, da durch die Mitwirkung und Formulierung von Bedarfen und Ideen der Prozess lebendig wird und tatsächlich dem Anspruch der Vielfalt gerecht werden kann. In verschiedenen Beteiligungsformaten wird die Öffentlichkeit sich in die Entwicklung des Sanierungsgebietes einbringen können und das Bahnhofsumfeld mitgestalten.

* Was bedeutet „Gender Diversity“?

Die beiden Fremdwörter „Gender Mainstreaming“ und „Diversity Management“ meinen ganz schlicht die Einbeziehung aller Lebenswelten bei allen Planungen und Maßnahmen und zwar in allen Fachgebieten. Man weiß, dass es nicht nur einen Typus Mensch gibt. Männer und Frauen sind in ihrer Wahrnehmung und in ihren Bedürfnissen unterschiedlich und der Fächer der Vielfalt breitet sich noch weiter in Alter, Herkunft und mögliche Behinderungen aus.

Gender-Absicht als Leitprinzip

Abgeleitet durch übergeordnete gesetzliche Handlungsaufträge, sich mit Gleichstellungsthemen zu beschäftigen, hat die Stadt Flensburg die Gender-Absicht auch als Leitprinzip auf anderen Ebenen z. B. in der Hauptsatzung formuliert.
Zur Belebung und fachlichen Vertiefung haben die Abteilung Stadt- und Landschaftsplanung und das Gleichstellungsbüro angeregt, sich über die bisher regulär praktizierten Ansätze hinaus intensiver mit Geschlechtergerechtigkeit und Barrierefreiheit zu beschäftigen. Dies wurde von der Politik aufgegriffen.